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	<title>CAREA e.V.</title>
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	<description>Menschenrechtsbeobachtung in Chiapas &#124; Internationale Begleitung in Guatemala</description>
	<lastBuildDate>Fri, 10 Feb 2012 18:41:34 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Urgent Action: Angriff priistischer Gruppe des Ejidos Banavil auf Familien von EZLN-Sympathisant_innen und willkürliche Verhaftung von Mitgliedern der zapatistischen Unterstützungsbasen</title>
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		<pubDate>Wed, 08 Feb 2012 09:21:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Carea</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Gemäß der Beweisinformation, die dem Menschenrechtszentrum Fray Bartolome vorliegt, griffen am 4. Dezember 2011 in Banavil, Tenejapa Mitglieder der Institutionellen Revolutionären Partei (PRI) vier Familien von Sympathisant_innen des Zapatistischen Heers der Nationalen Befreiung (EZLN) mit Schusswaffen an. Als Resultat der Angriffe sind zu nennen: der Tod des Herrn Pedro Méndez López; das erzwungene Verschwindenlassen des [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gemäß der Beweisinformation, die dem <a title="Menschenrechtszentrum Fray Bartolome de Las Casas" href="http://www.frayba.org.mx">Menschenrechtszentrum Fray Bartolome</a> vorliegt, griffen am 4. Dezember 2011 in Banavil, Tenejapa Mitglieder der Institutionellen Revolutionären Partei (PRI) vier Familien von Sympathisant_innen des Zapatistischen Heers der Nationalen Befreiung (EZLN) mit Schusswaffen an.</p>
<p style="text-align: justify;"><a title="Urgent Action online unterzeichnen bei chiapas.eu" href="http://www.chiapas.eu/ua2.php?id=113" target="_blank"><img class="size-full wp-image-683 alignleft" title="Urgent Action online unterzeichnen" src="http://carea-menschenrechte.de/wp-content/uploads/2011/06/ua_online.gif" alt="Urgen Action Jetzt unterzeichnen" width="190" height="100" /></a> Als Resultat der Angriffe sind zu nennen: der Tod des Herrn Pedro Méndez López; das erzwungene Verschwindenlassen des Herrn Alonso López Luna (im Folgenden Alonso); die Vertreibung von vier Familien, beschuldigt, zapatistische Sympathisant_innen zu sein; die Verhaftung des Herrn Lorenzo López Girón (im Folgenden Lorenzo), welcher durch eine Schusswaffe verwundet wurde; die willkürliche Verhaftung des Herrn Francisco Santiz López (im Folgenden Francisco), Mitglied der Zapatistischen Unterstützungsbasis (BAEZLN), welcher sich zum Zeitpunkt des Geschehens an einem anderen Ort befand sowie Körperverletzungen von 6 weiteren Personen.<span id="more-732"></span></p>
<ul>
<li><strong>Tod und erzwungenes Verschwindenlassen von Indigenen der Gruppe Tseltal</strong></li>
<li><strong>Vertreibung von vier Familien des Eijidos Banavil, Tenejapa, Chiapas</strong></li>
</ul>
<p style="text-align: justify;">Wie oben erwähnt wurde gemäß Zeugenaussagen berichtet, dass am 4. Dezember etwa gegen 7 Uhr  Frau Antonia Girón Gómez, Frau Lucia López Ramírez  und Frau Antonia López Pérez in Alsonsos Haus kamen und auf diesen und seine Familie mit Stöcken und Steinen einschlugen. Daraufhin umstellten etwa 50 Männer, Mitglieder der PRI, das Haus, holten Alonso heraus und schlugen ihn weiter mit Stöcken und Schusswaffen. Bei dem Versuch seinen Vater zu verteidigen, wurde Lorenzo – heute verschwunden – durch einen ersten Schuss auf der rechten Seite der Brust und anschließend durch einen weiteren auf Höhe der Leiste verletzt.<br />
Er wurde ins Krankenhaus nach San Cristóbal de las Casa gebracht und dort von der bundesstaatlichen Polizei – der schweren Körperverletzung beschuldigt &#8211; verhaftet. Zeugen bestätigen, dass Alonso während des bewaffneten Angriffs von der Gruppe der PRI-Männer blutend weggebracht wurde. Bis zum heutigen Datum ist sein Verbleib unbekannt.<br />
Information von Zeugenaussage zufolge, wurde am 23. Dezember im Ejido Mercedes, welches an Banavil angrenzt, ein Arm gefunden. Die Familie Alsonsos konnte sicherstellen, dass dieser Arm zu Alsonso gehöre, da sie eine Narbe an einem der Finger identifizieren konnten.<br />
Am 26. und 28. Dezember sollen Polizisten der bundesstaatlichen Polizei im Auftrag des Justizministerium und des kommunalen Richters versucht haben, Alonsos Körper zu suchen, ohne ihn jedoch zu finden.<br />
Die Familie Alsonsos brachte vor, dass keine adäquate Suchaktion durchgeführt wurde.</p>
<p style="text-align: justify;">Zum anderen, gemäß der durchgeführten Dokumentation dieses Menschenrechtszentrums, wurde Francisco, Mitglied der zapatistischen Unterstützungsbasis, während er in seinem Obst- und Gemüseladen arbeitete, willkürlich verhaftet und mit dem Vorwurf beschuldigt, den Angriff begonnen zu haben. Er befindet sich in den Gemeindebehörden von Tenejapa.<br />
Zeugen aber bestätigen, dass er sich am Tag des Angriffs nicht am Ort des Geschehens befunden habe, weswegen in diesem Fall vor dem ersten Strafgericht ein Strafprozessverfahren unter dem Aktenzeichen Nr. 177/201 eröffnet wurde, in welchem der Richter seinen Beschluss am 21. Januar 2012 verkünden wird.</p>
<p style="text-align: justify;">In Verbindung damit ist zu nennen, dass die falschen Beschuldigungen und das hervorgerufene Klima der Gewalt durch die priistische Kazikengruppe der Ejidos Banavil, Mercedes und Santa Rosa, der Gemeinde Tenejapa, gegenwärtig die Vertreibung der vier sympathisierenden Familien der EZLN sowie den Tod des Herrn Perdro Méndez López, Mitglied der PRI, verursacht hat.<br />
Aufgrund dieser Ereignisse und in Übereinstimmung mit der durchgeführten Dokumentation, blickt dieses Menschenrechtszentrums mit großer Sorge auf die kontinuierlichen und systematischen Angriffe auf zapatistische Unterstützungsbasen sowie deren Sympathisant_innen, welche schwerwiegende Verletzung der Rechte zufolge haben: unter anderem die Verletzung des Rechts auf Leben, auf persönliche Integrität und Sicherheit, auf Freiheit, auf Bewegungsfreiheit, auf Wohnen sowie das Recht, nicht vertrieben zu werden. Diese Rechte gelten in Übereinstimmung mit den internationalen Rechtsinstrumenten, die der Mexikanische Staat unterzeichnet und ratifiziert hat.</p>
<p style="text-align: justify;">Aus diesem Grund fordert die chiapanekische Regierung dazu auf:</p>
<ul style="text-align: justify;">
<li>Hern Alonso López Luna zu suchen und ihn lebend zurückzubringen</li>
<li>Den Tod des Herrn Pedro Méndez López aufzuklären sowie Sanktion der eigentlichen Mörder einzuleiten</li>
<li>Herrn Francisco Santiz López freizulassen, da zuverlässige Information vorliegen, die beweisen, dass er sich nicht am Ort des Geschehens befunden hat</li>
<li>Herrn Lorenzo López Girón eine angemessene und adequate medizinische Behandlung zu ermöglichen</li>
<li>Den vier vertriebenen Familien vorbeugende Schutzmaßnahmen zu gewährleisten sowie auf ihre sichere Rückkehr in die Gemeinde Banavil zu bestehen</li>
<li>Eine unparteiische, sofortige, seriöse und vollständige Untersuchung der geschehenen Tatbestände des 4. Dezember 2011einzuleiten</li>
<li>Die priistische Kazikengruppe, welche die EZLN-Sympathisant_innen angriffen, zu bestrafen und zu entwaffnen</li>
</ul>
<p style="text-align: justify;"><strong>Vorhergehende Ereignisse im Kontext:</strong><a title="Beispielbrief runterladen" href="http://carea-menschenrechte.de/wp-content/uploads/2012/02/ua_brief_banavil.rtf" target="_blank"><img class="size-full wp-image-274 alignright" title="Beispielbrief runterladen" src="http://carea-menschenrechte.de/wp-content/uploads/2011/03/ua.gif" alt="" width="190" height="100" /></a></p>
<p style="text-align: justify;">Seit 2009 kam es wiederholt zu Einschüchterungen und Belästigungen seitens der priistischen Kazikengruppe gegenüber Familien von EZLN-Sympathisant_Innen, da sich letztere den willkürlich verübten Aktionen der priistischen Gruppe widersetzten. Zu diesen Aktionen zählen unter anderem: willkürliche Landbesitzenteignung, illegales Holzfällen, willkürliche Eintreibung von Steuern, Hausfriedensbrüche,  Körperverletzungen, Verweigerung des Rechts auf Bildung. Diese Vergehen wurden von den Betroffenen bei den entsprechenden Regierungsinstanzen angezeigt, welche diesen jedoch keinerlei Beachtung schenkten. Bis heute wurden weder wirksame Untersuchungen eingeleitet noch Verantwortliche bestraft und die Behörden greifen ebenfalls nicht ein, um die Situation zu lösen sowie die rechtliche und soziale Sicherheit des Ejidos Banavil zu gewährleisten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h3 style="text-align: justify;">Schicke deinen Appell oder unterzeichne die Eilaktion online:</h3>
<p style="text-align: justify;">Über den weißen Button am Seitenanfang zu könnt ihr die Urgent Action bei <a title="Urgent Action: Angriff priistischer Gruppe des Ejidos Banavil auf Familien von EZLN-Sympathisant_innen und willkürliche Verhaftung von Mitgliedern der zapatistischen Unterstützungsbasen" href="http://www.chiapas.eu" target="_blank">Chiapas.eu</a> unkompliziert online unterzeichnen. Außerdem gibt es eine Urgent Action beim mexikanische Menschenrechtsnetzwerk Red Nacional de Organismos Civiles de Derechos Humanos “Todos los Derechos para Todas y Todos”:<strong> <a title="Accion Urgente " href="http://www.redtdt.org.mx/d_acciones/d_visual.php?id_accion=176" target="_blank">http://www.redtdt.org.mx/d_acciones/d_visual.php?id_accion=176</a></strong></p>
<p style="text-align: justify;">Darüber könnt ihr euch einen <strong><a href="http://carea-menschenrechte.de/wp-content/uploads/2012/02/ua_brief_banavil.rtf" target="_blank">Beispielbrief</a> </strong>runterladen.</p>
<p style="text-align: justify;"><em>Quelle: <a href="http://www.frayba.org.mx" target="_blank">Centro de Derechos Humanos Fray Bartolomé de Las Casas</a>, San Cristóbal (Chiapas/Mexico) / <a href="http://www.chiapas.eu" target="_blank">Chiapas.eu</a> / Übersetzung: Chrissi<br />
</em></p>
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		<title>Bericht vom Einsatz im Naturschutzgebiet</title>
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		<pubDate>Sun, 20 Jan 2008 15:07:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Carea</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berichte]]></category>
		<category><![CDATA[Berichte aus Chiapas]]></category>

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		<description><![CDATA[&#160; Hallo ihr Lieben, jetzt ist es soweit und ihr bekommt endlich meinen Bericht über meinen zweiten Aufenthalt in einer Gemeinde. Also, ich war vom 16.1. bis 30.1. in einer Gemeinde, die nicht weit weg von San Cristóbal liegt&#8230;vielleicht ne halbe Stunde mit einem der kleinen typischen Kollektivbusse. Vorher mussten wir natürlich erst zur &#8220;Guten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: justify;">Hallo ihr Lieben,</p>
<p style="text-align: justify;">jetzt ist es soweit und ihr bekommt endlich meinen Bericht über meinen zweiten Aufenthalt in einer Gemeinde. Also, ich war vom 16.1. bis 30.1. in einer Gemeinde, die nicht weit weg von San Cristóbal liegt&#8230;vielleicht ne halbe <a href="/?p=468"><img class="alignleft size-full wp-image-515" title="bericht_aus_chiapas" src="/wp-content/uploads/2011/05/bericht_aus_chiapas.gif" alt="bericht aus chiapas" width="250" height="117" /></a>Stunde mit einem der kleinen typischen Kollektivbusse. Vorher mussten wir natürlich erst zur &#8220;Guten Regierung&#8221;, um dort vorzusprechen und nochmals ein Papier abzuholen, mit dem unser Aufenthalt in der Gemeinde erlaubt und bestätigt wurde.<br />
Die Gemeinde ist eine gemischte Gemeinde und nur ein kleiner Teil der    Bewohner sind Zapas. Probleme innerhalb der Gemeinde gibt es weniger    oder laut eines Compas gar keine. Das Thema dort vor Ort ist die Natur,    die unglaublichen Naturressourcen und der Schutz der seit Jahren und    Jahrzehnten bewohnten und genutzten Territorien, die neben dem    Umweltaspekt sicherlich auch anderen Wert für die seit Generationen dort    lebenden Menschen haben.<span id="more-468"></span></p>
<p style="text-align: justify;">Die Gemeinde liegt im oberen Teil des erloschenen Vulkans Huitepec. Er ist das Wahrzeichen des Jovel-Tales, welches reich an Wasservorkommen ist und eine enorme und einzigartige Vielfalt an Pflanzen und Tieren beherbergt. Deshalb ist das Interesse an diesem Gebiet auch sehr groß, gerade von Seiten nationaler und transnationaler Firmen, die die Wasservorkommen und die Biodiversität ausbeuten wollen. In Huitepec gibt es bereits eine Niederlassung der Coca-Cola-Company, die dort 5 Liter Wasser pro Sekunde zu einem Spottpreis abpumpt und so den anliegenden Gemeinden einen Großteil des lebensnotwendigen Wassers entzieht.</p>
<p style="text-align: justify;"><a href="/wp-content/uploads/2008/01/IMG_1782.jpg"><img class="size-thumbnail wp-image-524 alignright" title="IMG_1782" src="/wp-content/uploads/2008/01/IMG_1782-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Die Zapas haben am 13.3.2007 eine 102 Hektar große Fläche zum Naturschutzgebiet erklärt. Trotz der Ankündigung dieses Vorhabens hat der Staatskongress nur einen Tag vorher auf Anfrage der Regierung von Chiapas dasselbe Gelände auch unter Naturschutz gestellt. Von FrayBa, dem Menschenrechtszentrum, mit dem ich auch in die Gemeinde gegangen bin, gibt es eine interessante Auflistung, warum dies nicht rechtmäßig ist. So verstößt diese Entscheidung zum Beispiel gegen die Anweisung des UN-Sonderbeauftragten für Menschenrechte und Grundfreiheiten der indigenen Völker Sr. Rudolfo Stavenhagen. Dieser hebt in einem Bericht vom 23. 12. 2003 ausdrücklich hervor: &#8220;Die Einrichtung neuer Naturschutzgebiete in indigenen Regionen darf nur unter vorheriger Konsultierung der betroffenen Gemeinden erfolgen, und die Regierung hat die Entscheidung und das Recht der indigenen Völker, in ihren Gebieten ökologische Gemeindereservate einzurichten, zu respektieren und zu unterstützen.&#8221; Weiterhin wird die von Mexiko ratifizierte ILO-Konvention 169 für Indigene und Stammesvölker verletzt, die z.B. vorsieht, dass die betreffenden Völker konsultiert werden müssen, wenn gesetzgeberische Maßnahmen erwogen werden, die sie betreffen. Ja, sie sollen sogar darin unterstützt werden, ihre eigenen Einrichtungen und Initiativen zu entfalten.</p>
<p style="text-align: justify;">Dies ist im Falle von Huitepec ganz und gar nicht geschehen. Ganz im Gegenteil wird hier immer wieder die Räumung des zapatistischen Reservates angekündigt, das einigen ein Dorn im Auge ist&#8230;insbesondere auch dem neuen Stadtrat von San Cristóbal Díaz Ochoa, der regelmäßig seinen Räumungswunsch vor der Presse und den ihm nahe stehenden Bewohnern anderer Gemeinden kundtut.<br />
Zum Schutze des zapatistischen Reservates gibt es zwei Campamentos in der Gemeinde, die zeitgleich mit der offiziellen Deklaration des Reservates am 13.3.2007 eingerichtet worden sind.</p>
<p style="text-align: justify;"><a href="/wp-content/uploads/2008/01/IMG_1789.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-525" title="IMG_1789" src="/wp-content/uploads/2008/01/IMG_1789-300x213.jpg" alt="" width="300" height="213" /></a>Ein Campamento ist von und für die internationalen Beobachter und befindet sich auf dem Land eines Compas, nicht weit entfernt von seinem Häuschen und der kleinen Tienda, die er und seine Frau betreiben. Das Campamento ist eine kleine Holzhütte mit ein paar Holzbetten und Platz für einige Hängematten. Vor der Hütte gibt es eine Feuerstelle zum Kochen, einen Ort zum Geschirrspülen und ein Plumpsklo. Einen richtigen Ort zum Baden oder Duschen gibt es nicht. Das haben wir auch in dem recht geräumigen Klo gemacht mit Wasser aus dem Wasserhahn&#8230;und je nach Lust und Laune haben wir Wasser auf dem Feuer warm gemacht oder uns mutig mit kaltem Wasser gewaschen.</p>
<p style="text-align: justify;">Das zweite Campamento, das weiter höher und auch direkt an der Reserva liegt, ist von den Compas der zapatistischen Unterstützungsbasen aus der Region. Normalerweise halten sich dort zwischen 20 und 30 Compas auf, die jeweils eine Woche bleiben. In angespannteren Situationen, z.B. wenn wieder einmal eine Räumung mehr oder weniger offiziell angekündigt wird, sind aber ganz schnell noch mehr Leute vor Ort, um die Reserva und ihre Compas vor Ort zu schützen. Diese Situation hatten wir direkt zu Beginn unseres Aufenthaltes und es war beeindruckend zu sehen, wie gut die Organisation der gegenseitigen Hilfe funktioniert. Aus vielen anderen Gemeinden kamen Compas: Männer und Frauen ganz verschiedenen Alters, so dass zwischenzeitlich und wohl auch aktuell zwischen 80 und 100 Compas in dem Campamento sind. Die zusätzlichen Compas bleiben dann auch nur für einen Tag und eine Nacht, dann kommen wieder neue. Schließlich werden sie ja auch in ihren eigenen Gemeinden gebraucht und müssen dort ihr Leben meistern, auf die Felder gehen und und und.</p>
<p style="text-align: justify;">Von &#8220;FrayBa&#8221; waren auch einmal zwei Leute da, um nach den ersten angespannten und unsicheren Tagen Entwarnung zu geben oder besser die Situation wieder etwas zu beruhigen und uns und auch die Compas über einen aktuellen Zeitungsartikel seitens der Regierung zu informieren, dass (aktuell) keine Räumung geplant ist. Das war für mich eine sehr gute Erfahrung in der Zusammenarbeit mit diesem Zentrum, die Erfahrung, dass wir nicht allein gelassen werden in unserer Arbeit vor Ort&#8230; und es hat auch geholfen, den nächsten Tagen des Aufenthaltes entspannter entgegenzugehen.</p>
<p style="text-align: justify;">Ein wesentlicher Teil unserer Arbeit vor Ort war der tägliche gemeinsame Rundgang mit rund 20 Compas durch die Reserva, um darüber zu wachen, dass die Natur dort nicht durch Waldrodung, Wäschewaschen in den Wasserquellen, Viehherden etc. geschädigt wird. Wenn wir Menschen in der Reserva getroffen haben, haben die Compas sie nach ihrem Anliegen gefragt und immer erklärt, was erlaubt und was nicht erlaubt ist im Reservat und weshalb es dieses Reservat gibt. Die Atmosphäre dieser Gespräche empfand ich immer als sehr angenehm und es wurde erstmal viel zugehört bevor dann ein Compa Erklärungen gemacht hat. Während unserer Rundgänge gab es ganz verschiedene Vorfälle, die wir dann dokumentiert und nach unserem Aufenthalt in unserem Bericht an Frayba weitergereicht haben.</p>
<p style="text-align: justify;"><a href="/wp-content/uploads/2008/01/IMG_1793.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-526" title="IMG_1793" src="/wp-content/uploads/2008/01/IMG_1793-225x300.jpg" alt="" width="225" height="300" /></a>So haben wir z.B. eine Frau getroffen, die ihr Vieh durch die Reserva getrieben hat oder wir haben frisch gefällte Bäume gesichtet, die noch in der Reserva zum Trocknen lagen, um sie dann als Brennholz zu benutzen. Außerdem wurde an einem Tag ein Schild umgestoßen, das das Gebiet als zapatistische Reserva ausweist. Mehrere Tage hintereinander haben sich Männer aus einer benachbarten Gemeinde in der Reserva oder an deren Grenze aufgehalten, deren Anliegen nicht ersichtlich war. Die Compas haben dies eindeutig als Provokation verstanden: zum einen, weil die Menschen, die wir ansonsten getroffen haben, immer ein bestimmtes Anliegen in der Reserva hatten und es ein Gespräch zwischen ihnen und den Compas gab, was diese Männer nicht suchten. Zum anderen, weil es sich um Männer aus einer Gemeinde handelte, die dem räumungsfreudigen Stadtrat von San Cristóbal nahe steht und mit denen es häufiger Probleme gibt. Um zu sehen, was diese Männer vorhaben, haben wir oftmals längere Pausen während unseres Rundganges gemacht, um sie zu beobachten, so dass wir einmal sogar ganze sieben Stunden unterwegs waren. Anfangs waren meine zwei spanischen Mitcampamentistas und ich immer zusammen mit den Compas unterwegs, aber wir haben dann nach ein paar Tagen angefangen uns abzuwechseln. So konnte immer einer im Campamento bleiben, sich ausruhen, eigene Sachen wie Wäschewaschen erledigen und das Essen vorbereiten&#8230;denn nach den Rundgängen hatten wir auf jeden Fall immer ordentlich Hunger.<br />
Die Runden, die unterschiedlich lang waren &#8211; je nachdem, was passiert ist oder zu beobachten war &#8211; haben mir sehr gut gefallen, weil die Natur in Huitepec wirklich wunderschön ist. Manchmal musste ich beim Anblick der vielen alten knorkeligen Bäume und dem wenigen Licht an einen Märchenwald denken. Der Wald wird auch &#8220;bosque de niebla&#8221; &#8211; Nebelwald &#8211; genannt, weil gerade morgens dichter Nebel aufsteigt. Es war immer wieder schön von unserem Campamento aus die Nebelschwaden zu sehen, die sich oft ganz langsam vom Berg ins Tal bewegt haben. Das war oft meine Aussicht, wenn ich gegen 7.00 oder 8.00 Uhr aufgestanden bin und vor der Hütte mit dem Feuermachen begonnen habe. Natürlich waren die Waldgänge auch anstrengend, weil es nun mal nicht meine Gewohnheit ist, täglich mehrere Stunden zu wandern und vor allem auch noch schön bergab und bergauf auf oftmals recht abenteuerlichen schmalen &#8220;Wegen&#8221;. Aber die Luft und die Natur und das Gefühl hinterher, es wieder geschafft zu haben, waren herrlich.<br />
Am Ende unseres Aufenthaltes war ich einmal allein mit 20 Compas unterwegs, was bestimmt ein herrliches Foto abgegeben hätte. Ein Compa, dann ich als einzige Frau und als einzig nicht-vermummte, dann wieder 20 vermummte Zapas. Aber sie haben mich tatsächlich immer gleich an der Spitze laufen lassen.<br />
Und auf den Rundgängen gab es auch einen Ort mit wunderschönem Blick auf San Cristóbal.</p>
<p style="text-align: justify;">&#8230;na und jetzt kann ich von der Terrasse meines Hostals aus morgens immer zusehen, wie sich die Wolkendecke über Huitepec verändert und an meine zwei Wochen dort denken. Das ist schon ein bisschen komisch&#8230; so dicht und doch so weit weg, zwei so unterschiedliche Lebenswelten. Obwohl: in dieser Gemeinde gab es sogar Strom und fließend Wasser und einen Compa, der täglich immer die gleiche Musik von morgens bis abends gehört hat&#8230;und es gab viele Flöhe, viel Qualm beim Feuermachen, einen enormen Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht und eine Hühnerbande, die uns ständig besucht hat, um Essensreste aufzupicken, viele Blumen, viele lange und interessante Gespräche mit einigen Compas und viel zu lachen mit den beiden anderen Campamentistas, leckeres selbst gemachtes Essen und und und. Es war auf jeden Fall wieder eine weitere spannende Erfahrung.</p>
<p style="text-align: justify;">&#8230;und geräumt wurde nicht und wird es hoffentlich auch nicht mit Unterstützung vieler, vieler Menschen aus nah und fern.</p>
<p style="text-align: justify;">Liebe Grüße und bis bald. B. aus San Cristobal</p>
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		<title>Bericht aus einer Gemeinde</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Nov 2007 15:05:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Carea</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berichte]]></category>
		<category><![CDATA[Berichte aus Chiapas]]></category>

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		<description><![CDATA[Hallo ihr Lieben! Heute bin ich aus dem campamento zurückgekehrt, gesund, guter Dinge und voll neuer Eindrücke. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll&#8230; Ich glaube, ich habe zum ersten Mal wirkliche Gemeinschaft in größerem Rahmen erlebt. Die Gemeinde in der ich war ist durch die gemeinsame Geschichte von Kampf und Vertreibung sehr stark [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">Hallo ihr Lieben!</p>
<p style="text-align: justify;"><a href="/?p=465"><img class="size-full wp-image-515 alignleft" title="bericht_aus_chiapas" src="/wp-content/uploads/2008/01/bericht_aus_chiapas.gif" alt="bericht aus chiapas" width="250" height="117" /></a>Heute bin ich aus dem campamento zurückgekehrt, gesund, guter Dinge und voll neuer Eindrücke. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll&#8230;<br />
Ich glaube, ich habe zum ersten Mal wirkliche Gemeinschaft in größerem Rahmen erlebt. Die Gemeinde in der ich war ist durch die gemeinsame Geschichte von Kampf und Vertreibung sehr stark zusammengewachsen, die Menschen sind äußerst solidarisch und respektvoll. In Versammlungen wird über alle Belange gemeinsam entschieden, und zwar nicht mit Abstimmungen, bei denen eine Minderheit unterdrückt wird, sondern es wird so lange diskutiert, bis sich alle einigen. Und es funktioniert. Der Umgang mit den Kindern ist auch sehr respektvoll, sie werden höflich angesprochen, ihnen wird zugehört. Die Schule ist autonom und zapatistisch. Die Kinder können kommen und gehen, wann sie wollen. Aber sie kommen, sogar am Wochenende, zum spielen und lesen und lernen. Ihr seht, ich bin wirklich richtig beeindruckt. Ich habe mit mehreren Leuten sehr interessante Gespräche geführt und viel über die zapatistische Bewegung und die autonomen Gemeinden gelernt. Die Leute sind alle so politisch, auch die Kinder. Ich war immer wieder überrascht. Und es war so angenehm, dass gar kein Alkohol getrunken wurde.<span id="more-465"></span></p>
<p style="text-align: justify;"><a href="/wp-content/uploads/2007/11/06_juliol03-Ibarra4.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-528" title="06_juliol03-Ibarra4" src="/wp-content/uploads/2007/11/06_juliol03-Ibarra4-300x229.jpg" alt="" width="300" height="229" /></a>An fünf Tagen haben wir die Männer des Dorfes auf die kollektiven Felder zur Maissaat begleitet, falls es zu Provokationen von Seiten der feindlich gesinnten Nachbarn kommen sollte. Auch die riesige Militärkaserne und die Militärkontrollen auf den Straßen lassen nicht vergessen, dass diese Menschen in ständiger Bedrohung leben. &#8220;Wir sind umzingelt&#8221; meinten sie manchmal &#8220;aber wir werden dieses Land nicht mehr verlassen, und sollten wir es mit dem Leben bezahlen.&#8221; Die Maissaat wurde nach alter Mayatradition gemacht, mit vorhergehenden Gebeten an den christlichen Gott und an die Mutter Erde. Die Frauen ernteten gemeinschaftlich, aber nicht während ich dort war. Die Versammlungen waren manchmal nach Geschlechtern getrennt, manchmal zusammen, je nach Anliegen. Zur solidarischen Unterstützung kamen immer Zapatisten aus umliegenden Gemeinden und blieben einige Tage. Sie halfen bei der Wache, die an 4 Punkten Tag und Nacht gehalten wurde, und bei schwereren Arbeiten wie Rodungen.</p>
<p style="text-align: justify;">Wir haben viel mit den Kindern gespielt, in der Pause und nachmittags, was sehr vergnüglich war. Außerdem habe ich öfter Frauen in ihren Häusern besucht, um ein wenig zu plaudern. Ich habe dort auch gelernt, Tortillas zu machen. Oder wir sind zum Fluss spaziert, um uns und unsere Wäsche zu waschen, letzteres meist im Wasser liegend, weil wir gar zu arg von Mücken geplagt wurden. Wir haben Regenwasser getrunken und auf Feuerholz gekocht, was wir selbst gesucht haben. So waren wir eigentlich immer beschäftigt und es wurde nie langweilig. Außerdem sind wir meist vor acht schlafen gegangen. Es gab ja keinen Strom und wir waren dann auch müde. Geschlafen haben wir in Hängematten in einem halboffenen Haus. Es hat viel geregnet und war auch manchmal kalt, aber nicht zu sehr.</p>
<p style="text-align: justify;">Einmal habe ich am Schulunterricht teilgenommen, das war sehr interessant: nicht eine Minute Frontalunterricht. Die Größeren lehren die Kleineren oder lernen in kleinen Gruppen, so lernen sie gleichzeitig lehren und können später selbst unterrichten. Es ist ein großes Durcheinander von Fächern und Aktivitäten, aber alle sind interessiert und wissbegierig und niemand lernt, zu gehorchen.</p>
<p style="text-align: justify;"><a href="/wp-content/uploads/2007/11/nino-palmdach.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-530" title="nino-palmdach" src="/wp-content/uploads/2007/11/nino-palmdach-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Einmal haben einige der Nachbarn, die zum Teil in einer Vereinigung sind, die dabei ist, sich zu einer paramilitärischen Organisation zu entwickelt, und zum Teil Unterstützung von der Regierung bekommen, ein Zuckerrohrfeld der Gemeinde angezündet, das vor drei Wochen angelegt worden war. Die zapatistische Wache hat es gesehen, aber sie haben gewartet, bis sich die anderen zurückgezogen haben, um das Feuer so gut wie möglich auszuschlagen. Sie haben keine Wahl. Das Militär ist direkt daneben, sie wären auf jeden Fall unterlegen, wenn sie sich wehren würden. Wir haben Fotos gemacht und einen Bericht geschrieben. Dann haben sie erstmal eine ordentliche Partie Fußball gespielt, sie scheinen an diese Art von Provokationen wirklich gewöhnt zu sein. Aber das Schlimme ist, dass sie richtig arm sind, und es verheerend ist, wenn sie ihre Ernte verlieren. Sie essen fast nur Mais, haben kaum richtige Kleidung und Schuhe.</p>
<p style="text-align: justify;">Ich habe die Menschen dort sehr ins Herz geschlossen und bewundere sie dafür, wie sie mit dieser Situation umgehen. Ich mochte es auch, mit compañera angesprochen zu werden und zapatistische Lieder zu singen. Na, ein wenig Revolutionsidylle darf ja auch dabei sein <img src='http://carea-menschenrechte.de/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':)' class='wp-smiley' />  .</p>
<p style="text-align: justify;">Gut, ihr Lieben, so viel für heute. Ich muss jetzt auch schlafen, es ist schon 8 <img src='http://carea-menschenrechte.de/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':)' class='wp-smiley' /><br />
Ich wünsch euch alles Gute!<br />
Viele liebe Grüße</p>
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		<title>Bericht über die Arbeit im Begleitprojekt in Guatemala</title>
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		<pubDate>Mon, 20 Aug 2007 15:10:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Carea</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berichte]]></category>
		<category><![CDATA[Berichte aus Guatemala]]></category>

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		<description><![CDATA[Hallo lieber Unterstützerkreis! Hier schicke ich euch meinen ersten tatsächlichen Arbeitsbericht über den letzten Monat. Noch einmal genauer zur Arbeit von CAIG. Diese ist aufgeteilt in kurzfristige (Corto Plazo) und langfristige (Largo Plazo) Missionen. Die langfristigen Plätze sind diejenigen in den Gemeinden der AJR, diese werden jetzt nun schon seit ca. 6 Jahren betreut. Die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">Hallo lieber Unterstützerkreis!</p>
<p style="text-align: justify;"><a href="/?p=470"><img class="alignleft size-full wp-image-552" title="bericht_aus_guate" src="/wp-content/uploads/2007/03/bericht_aus_guate.gif" alt="" width="250" height="132" /></a>Hier schicke ich euch meinen ersten tatsächlichen Arbeitsbericht über den letzten Monat.</p>
<p style="text-align: justify;">Noch einmal genauer zur Arbeit von CAIG. Diese ist aufgeteilt in kurzfristige (Corto Plazo) und langfristige (Largo Plazo) Missionen. Die langfristigen Plätze sind diejenigen in den Gemeinden der AJR, diese werden jetzt nun schon seit ca. 6 Jahren betreut. Die Begleiter wohnen in den Gemeinden und besuchen die Zeugen, die teilweise mehrere Stunden voneinander entfernt wohnen. Die kurzfristigen Missionen sind Begleitungen von Aktionen oder Organisationen, z.B. Exhumierungen, Konsultationen, Infoveranstaltungen u.s.w.. Die Begleiter wohnen, wenn sie nicht grade unterwegs sind, im CAIG-Haus in Guatemala-Stadt.<span id="more-470"></span></p>
<p style="text-align: justify;"><a href="/wp-content/uploads/2007/08/esel.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-557" title="esel" src="/wp-content/uploads/2007/08/esel-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>Auf Grund der Aufregung wegen der Haftbefehle wurden allerdings in meinem ersten Monat ungewöhnlich viele neue Begleiter aufgenommen (Anm.: Am 7. Juli 2006 waren internationale Haftbefehle u.a. gegen die ehemaligen Diktatoren E. Ríos Montt, O. H. Mejía Victores und F. R. Lucas García erlassen worden). Die konkreten Aufträge blieben aber aus, weshalb wir nun einige Corto Plazo Missionen begleiten, und teilweise Largo Plazo Begleiter ersetzen. Der Vorteil davon ist, dass ich so die verschiedensten Gegenden und Szenarien Guatemalas kennenlerne.<br />
Meinen ersten Monat verbrachte ich in V., einem kleinen Dorf in der Nähe zu Mexiko, gelegen in der Region Ixcán (sprich: Ieschkahn), in welcher die Gewalttaten während des Bürgerkriegs und die Aktivitäten der Guerilla besonders stark waren. Ixcán hat eine kurze, aber sehr ereignisreiche Geschichte. Vorher unbewohnter Dschungel, wurde es ab 1966 aus einer Initiative und dank der Finanzierung und Organisation des us-amerikanischen, katholischen Missionsordens Maryknoll mit Indígenas verschiedener Ethnien besiedelt. So konnten die überwiegend aus dem Hochland stammenden Indígenas zwar in brütender Hitze, aber wenigstens ihr eigenes Stück Land (Parcela) bearbeiten, anstatt die Hälfte des Jahres unter unmenschlichen Bedingungen auf den Kaffee- und Zuckerplantagen der Pazifikküste zu arbeiten.<br />
&#8230;<br />
Februar bis März 1982 begann das Militär schließlich die Verbrannte-Erde-Taktik und verübte an aufeinanderfolgenden Sonntagen, an denen sich die Menschen im Zentrum versammelten, Massaker in mehreren Dörfern in Ixcán. V. wurde am XX.März dem Erdboden gleichgemacht, es starben (nach offiziellen Daten) 324 Menschen. Einige wurden rechtzeitig gewarnt und flohen in den Dschungel, wo sie unter Moskitos, Taranteln, Skorpionen, Krankheiten und Hunger litten. 35 Familien lebten dort, organisiert in den sogenannten Widerstandsgemeinden (Comunidades de Población en Resistencia &#8211; CPR), über 10 Jahre, die meisten flohen jedoch nach Mexiko. In dem Dorf selber blieben nur die Soldaten. 1993 kehrten die ersten Flüchtlinge aus Mexiko wieder zu ihrer eigenen Parcela zurück.</p>
<p style="text-align: justify;">Heutzutage ist V., wie die meisten ruralen Landstriche in Guatemala, von Armut, schlechter Infrastruktur und extrem hoher Abwanderung geprägt. &#8230; In Sachen Infrastruktur ist V. stark von der Kommunikationsgesellschaft abgeschnitten: weder Handy- noch Fernsehempfang, schlechte bzw. kaum vorhandene Straßen und kaum Brücken für die zahlreichen Flüsse, weshalb das nächste Dorf mit Arzt, weiterführender Schule, Internet und Tageszeitungen eine 4-stündige Reise entfernt ist. Die Verbindung zur Außenwelt findet vor allem über die Satellitentelefone und über die Menschen statt, die ab und zu ins nächste Dorf reisen (wir Begleiter dienen in diesem Sinne auch einer solchen).<br />
&#8230;<br />
<a href="/wp-content/uploads/2007/08/IMG_2626.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-558" title="IMG_2626" src="/wp-content/uploads/2007/08/IMG_2626-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>Die einzige Hilfestellung der Regierung sind die einfachen Zementhäuser (keine Häuser im europäischen Sinne, gemeint sind eher 4 Wände und ein Wellblechdach), die den Opfern des Bürgerkrieges finanziert werden. Die Migration ist besonders hoch in V.: von den durchschnittlich 8 Kindern sind durchschnittlich 4 in Mexiko oder den USA, es gibt im ganzen Dorf kaum junge Männer.<br />
&#8230;<br />
Wie so viele Dörfer ist auch V. in 2 Lager gespalten: Ex-Guerilla und Ex-PAC leben auf engstem Raum zusammen. Die Ex-PAC gründeten 1998 das &#8220;Comité de Amistad con el Ejército&#8221;(Komiteé der Freundschaft mit dem Militär), welches der 1997 gegründeten Menschenrechtsorganisation ADDHAI gegenübersteht.<br />
&#8230;<br />
Gleich am 2. Tag nach unserer Ankunft fand eine &#8220;Konferenz für Frauen: Erinnerung, Wahrheit, Gerechtigkeit&#8221; statt, an der von den Massakern betroffene Frauen aus mehreren Dörfern in Ixcán teilnahmen, organisiert von einer nichtstaatlichen Organisation. &#8230; Wir besuchten die Orte der Massaker, den Friedhof, auf dem in einem Pantheon die Überreste der Menschen aufbewahrt wurden, die bei dem Massaker umgekommen sind und bei den Exhumierungen in den späten 90ern ausgegraben wurden, und das Monument des Massakers, welches ebenfalls in den 90ern errichtet wurde und von Ex-PAC nach seiner Errichtung teilweise demoliert wurde. Im Laufe des Tages erzählten die Frauen, teilweise nur in ihrer eigenen Sprache, da sie kein Spanisch sprechen, ihre Geschichten: wie sie durch Kugelhagel flohen; ihre Familien zurücklassen mussten; sahen, wie rechts und links neben ihnen Menschen starben; Hunger; Todesangst und Verzweiflung litten&#8230; immer wieder brachen sie in Tränen aus, immer wieder wiederholten sie, dass das keine Lüge ist. Es war ein unglaublich bewegender Tag und meine Lippe war am Ende des Tages vollkommen zerbissen, was mich davon abhielt, nicht selber anzufangen zu weinen. Es zeigte, wie frisch und wie wenig verarbeitet noch immer die Wunden des Krieges und der Verlust der Familienmitglieder sind, wahrscheinlich auch gerade weil diese Verluste und Erfahrungen von der Gesellschaft nicht anerkannt, entschuldigt oder entschädigt werden. Für die Opfer ist es, wie mir hier auffällt, noch zusätzlich schmerzhaft, wenn sie für die Anerkennung ihres Leides auch noch kämpfen müssen und sich gegen Anschuldigen wehren müssen. Vor allem die Tatsache, dass sie noch immer mit den Mördern ihrer Familienangehörigen, die sich ihres Wohlstands erfreuen und keine Verantwortung auf sich nehmen, in einem Dorf wohnen müssen und sich sonntags in der Kirche zu treffen, ist auch wegen der immer noch tief verwurzelten Angst vor weiteren Attacken ein schwerwiegender Stressfaktor. Ich verstand nun besser, warum die Männer des Dorfes, die entweder Guerilleros oder PAC waren, sich hier jeden Sonntag hoffnungslos betrinken.</p>
<p style="text-align: justify;"><a href="/wp-content/uploads/2007/08/begleitung-frauen-mais.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-559" title="begleitung-frauen-mais" src="/wp-content/uploads/2007/08/begleitung-frauen-mais-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Wie tief diese Angst noch sitzt und wie unsensibel die Regierung und das Militär mit dieser umgehen, zeigt ein Zwischenfall von vor einigen Wochen: in einem Dorf in der Nähe von V. landeten Helikopter mit Militärschwadronen und diese drangen in eine Schule ein, weil sich in dieser angeblich Waffen und Munition der Drogenmafia befanden. Die Dorfbewohner flohen aus Angst vor einem erneuten Massaker in den Dschungel; ebenso in anderen Gebieten des Ixcán, wo die kreisenden Helikopter unwillkürlich mit den Ereignissen des Bürgerkrieges assoziiert werden.<br />
&#8230;<br />
Obwohl es keine konkreten aufregenden Ereignisse gab, war es für mich eine sehr aufregende Zeit. Wahrscheinlich weil es für mich auch der erste persönliche Kontakt zu den Menschen war, über deren Geschichten ich zwar schon sehr viel gelesen hatte, die aber so grausam sind, dass ich sie erst wirklich glauben konnte, als ich sie zum ersten Mal aus dem Munde einer Zeugin hörte. Und noch immer fällt es mir schwer zu glauben, dass diese fröhliche und energische Frau ihre Kinder sterben sah, dass dieser freundlich lächelnde Mann sich die 4 Tage des Massakers unter einem Baumstamm verstecken musste, wo ihm Feuerameisen das Gesicht zerbissen und wo er roch, wie die Frauen und Kinder seines Dorfes verbrannt wurden. Das, was schwer zu glauben ist, ist vielleicht, dass diese Menschen trotz alldem immer noch leben können.</p>
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		<title>Kurzer Bericht aus Guatemala</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Feb 2007 15:12:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Carea</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berichte]]></category>
		<category><![CDATA[Berichte aus Guatemala]]></category>

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		<description><![CDATA[Hallo lieber Unterstützerkreis! Hier schicke ich euch meinen ersten tatsächlichen Arbeitsbericht über den letzten Monat. Noch einmal genauer zur Arbeit von CAIG. Diese ist aufgeteilt in kurzfristige (Corto Plazo) und langfristige (Largo Plazo) Missionen. Die langfristigen Plätze sind diejenigen in den Gemeinden der AJR, diese werden jetzt nun schon seit ca. 6 Jahren betreut. Die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">Hallo lieber Unterstützerkreis!</p>
<p style="text-align: justify;"><a href="/?p=470"><img class="alignleft size-full wp-image-552" title="bericht_aus_guate" src="/wp-content/uploads/2007/03/bericht_aus_guate.gif" alt="" width="250" height="132" /></a>Hier schicke ich euch meinen ersten tatsächlichen Arbeitsbericht über den letzten Monat.</p>
<p style="text-align: justify;">Noch einmal genauer zur Arbeit von CAIG. Diese ist aufgeteilt in kurzfristige (Corto Plazo) und langfristige (Largo Plazo) Missionen. Die langfristigen Plätze sind diejenigen in den Gemeinden der AJR, diese werden jetzt nun schon seit ca. 6 Jahren betreut. Die Begleiter wohnen in den Gemeinden und besuchen die Zeugen, die teilweise mehrere Stunden voneinander entfernt wohnen. Die kurzfristigen Missionen sind Begleitungen von Aktionen oder Organisationen, z.B. Exhumierungen, Konsultationen, Infoveranstaltungen u.s.w.. Die Begleiter wohnen, wenn sie nicht grade unterwegs sind, im CAIG-Haus in Guatemala-Stadt.<span id="more-472"></span></p>
<p style="text-align: justify;"><a href="/wp-content/uploads/2007/08/esel.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-557" title="esel" src="/wp-content/uploads/2007/08/esel-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>Auf Grund der Aufregung wegen der Haftbefehle wurden allerdings in meinem ersten Monat ungewöhnlich viele neue Begleiter aufgenommen (Anm.: Am 7. Juli 2006 waren internationale Haftbefehle u.a. gegen die ehemaligen Diktatoren E. Ríos Montt, O. H. Mejía Victores und F. R. Lucas García erlassen worden). Die konkreten Aufträge blieben aber aus, weshalb wir nun einige Corto Plazo Missionen begleiten, und teilweise Largo Plazo Begleiter ersetzen. Der Vorteil davon ist, dass ich so die verschiedensten Gegenden und Szenarien Guatemalas kennenlerne.<br />
Meinen ersten Monat verbrachte ich in V., einem kleinen Dorf in der Nähe zu Mexiko, gelegen in der Region Ixcán (sprich: Ieschkahn), in welcher die Gewalttaten während des Bürgerkriegs und die Aktivitäten der Guerilla besonders stark waren. Ixcán hat eine kurze, aber sehr ereignisreiche Geschichte. Vorher unbewohnter Dschungel, wurde es ab 1966 aus einer Initiative und dank der Finanzierung und Organisation des us-amerikanischen, katholischen Missionsordens Maryknoll mit Indígenas verschiedener Ethnien besiedelt. So konnten die überwiegend aus dem Hochland stammenden Indígenas zwar in brütender Hitze, aber wenigstens ihr eigenes Stück Land (Parcela) bearbeiten, anstatt die Hälfte des Jahres unter unmenschlichen Bedingungen auf den Kaffee- und Zuckerplantagen der Pazifikküste zu arbeiten.<br />
&#8230;<br />
Februar bis März 1982 begann das Militär schließlich die Verbrannte-Erde-Taktik und verübte an aufeinanderfolgenden Sonntagen, an denen sich die Menschen im Zentrum versammelten, Massaker in mehreren Dörfern in Ixcán. V. wurde am XX.März dem Erdboden gleichgemacht, es starben (nach offiziellen Daten) 324 Menschen. Einige wurden rechtzeitig gewarnt und flohen in den Dschungel, wo sie unter Moskitos, Taranteln, Skorpionen, Krankheiten und Hunger litten. 35 Familien lebten dort, organisiert in den sogenannten Widerstandsgemeinden (Comunidades de Población en Resistencia &#8211; CPR), über 10 Jahre, die meisten flohen jedoch nach Mexiko. In dem Dorf selber blieben nur die Soldaten. 1993 kehrten die ersten Flüchtlinge aus Mexiko wieder zu ihrer eigenen Parcela zurück.</p>
<p style="text-align: justify;">Heutzutage ist V., wie die meisten ruralen Landstriche in Guatemala, von Armut, schlechter Infrastruktur und extrem hoher Abwanderung geprägt. &#8230; In Sachen Infrastruktur ist V. stark von der Kommunikationsgesellschaft abgeschnitten: weder Handy- noch Fernsehempfang, schlechte bzw. kaum vorhandene Straßen und kaum Brücken für die zahlreichen Flüsse, weshalb das nächste Dorf mit Arzt, weiterführender Schule, Internet und Tageszeitungen eine 4-stündige Reise entfernt ist. Die Verbindung zur Außenwelt findet vor allem über die Satellitentelefone und über die Menschen statt, die ab und zu ins nächste Dorf reisen (wir Begleiter dienen in diesem Sinne auch einer solchen).<br />
&#8230;<br />
<a href="/wp-content/uploads/2007/08/IMG_2626.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-558" title="IMG_2626" src="/wp-content/uploads/2007/08/IMG_2626-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>Die einzige Hilfestellung der Regierung sind die einfachen Zementhäuser (keine Häuser im europäischen Sinne, gemeint sind eher 4 Wände und ein Wellblechdach), die den Opfern des Bürgerkrieges finanziert werden. Die Migration ist besonders hoch in V.: von den durchschnittlich 8 Kindern sind durchschnittlich 4 in Mexiko oder den USA, es gibt im ganzen Dorf kaum junge Männer.<br />
&#8230;<br />
Wie so viele Dörfer ist auch V. in 2 Lager gespalten: Ex-Guerilla und Ex-PAC leben auf engstem Raum zusammen. Die Ex-PAC gründeten 1998 das &#8220;Comité de Amistad con el Ejército&#8221;(Komiteé der Freundschaft mit dem Militär), welches der 1997 gegründeten Menschenrechtsorganisation ADDHAI gegenübersteht.<br />
&#8230;<br />
Gleich am 2. Tag nach unserer Ankunft fand eine &#8220;Konferenz für Frauen: Erinnerung, Wahrheit, Gerechtigkeit&#8221; statt, an der von den Massakern betroffene Frauen aus mehreren Dörfern in Ixcán teilnahmen, organisiert von einer nichtstaatlichen Organisation. &#8230; Wir besuchten die Orte der Massaker, den Friedhof, auf dem in einem Pantheon die Überreste der Menschen aufbewahrt wurden, die bei dem Massaker umgekommen sind und bei den Exhumierungen in den späten 90ern ausgegraben wurden, und das Monument des Massakers, welches ebenfalls in den 90ern errichtet wurde und von Ex-PAC nach seiner Errichtung teilweise demoliert wurde. Im Laufe des Tages erzählten die Frauen, teilweise nur in ihrer eigenen Sprache, da sie kein Spanisch sprechen, ihre Geschichten: wie sie durch Kugelhagel flohen; ihre Familien zurücklassen mussten; sahen, wie rechts und links neben ihnen Menschen starben; Hunger; Todesangst und Verzweiflung litten&#8230; immer wieder brachen sie in Tränen aus, immer wieder wiederholten sie, dass das keine Lüge ist. Es war ein unglaublich bewegender Tag und meine Lippe war am Ende des Tages vollkommen zerbissen, was mich davon abhielt, nicht selber anzufangen zu weinen. Es zeigte, wie frisch und wie wenig verarbeitet noch immer die Wunden des Krieges und der Verlust der Familienmitglieder sind, wahrscheinlich auch gerade weil diese Verluste und Erfahrungen von der Gesellschaft nicht anerkannt, entschuldigt oder entschädigt werden. Für die Opfer ist es, wie mir hier auffällt, noch zusätzlich schmerzhaft, wenn sie für die Anerkennung ihres Leides auch noch kämpfen müssen und sich gegen Anschuldigen wehren müssen. Vor allem die Tatsache, dass sie noch immer mit den Mördern ihrer Familienangehörigen, die sich ihres Wohlstands erfreuen und keine Verantwortung auf sich nehmen, in einem Dorf wohnen müssen und sich sonntags in der Kirche zu treffen, ist auch wegen der immer noch tief verwurzelten Angst vor weiteren Attacken ein schwerwiegender Stressfaktor. Ich verstand nun besser, warum die Männer des Dorfes, die entweder Guerilleros oder PAC waren, sich hier jeden Sonntag hoffnungslos betrinken.</p>
<p style="text-align: justify;"><a href="/wp-content/uploads/2007/08/begleitung-frauen-mais.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-559" title="begleitung-frauen-mais" src="/wp-content/uploads/2007/08/begleitung-frauen-mais-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Wie tief diese Angst noch sitzt und wie unsensibel die Regierung und das Militär mit dieser umgehen, zeigt ein Zwischenfall von vor einigen Wochen: in einem Dorf in der Nähe von V. landeten Helikopter mit Militärschwadronen und diese drangen in eine Schule ein, weil sich in dieser angeblich Waffen und Munition der Drogenmafia befanden. Die Dorfbewohner flohen aus Angst vor einem erneuten Massaker in den Dschungel; ebenso in anderen Gebieten des Ixcán, wo die kreisenden Helikopter unwillkürlich mit den Ereignissen des Bürgerkrieges assoziiert werden.<br />
&#8230;<br />
Obwohl es keine konkreten aufregenden Ereignisse gab, war es für mich eine sehr aufregende Zeit. Wahrscheinlich weil es für mich auch der erste persönliche Kontakt zu den Menschen war, über deren Geschichten ich zwar schon sehr viel gelesen hatte, die aber so grausam sind, dass ich sie erst wirklich glauben konnte, als ich sie zum ersten Mal aus dem Munde einer Zeugin hörte. Und noch immer fällt es mir schwer zu glauben, dass diese fröhliche und energische Frau ihre Kinder sterben sah, dass dieser freundlich lächelnde Mann sich die 4 Tage des Massakers unter einem Baumstamm verstecken musste, wo ihm Feuerameisen das Gesicht zerbissen und wo er roch, wie die Frauen und Kinder seines Dorfes verbrannt wurden. Das, was schwer zu glauben ist, ist vielleicht, dass diese Menschen trotz alldem immer noch leben können.</p>
<p style="text-align: justify;">Nach langer Zeit mal wieder eine Nachricht von mir. Zuerst einmal:</p>
<p style="text-align: justify;"><a href="/?p=472"><img class="alignleft size-full wp-image-552" title="bericht_aus_guate" src="/wp-content/uploads/2007/03/bericht_aus_guate.gif" alt="" width="250" height="132" /></a>Mir geht es gut, die Arbeit ist recht anstrengend und morgen geht es wieder los. Ich werde dann erst Ende März wieder von mir hören lassen. &#8230; Meine Arbeit besteht darin, in mehrere indigene Dörfer zu fahren und dort die Familien der ZeugInnen und deren UnterstützerInnen zu besuchen oder aber auch diese zu wichtigen Versammlungen zu begleiten. Als BegleiterInnen sind wir aus Sicherheitsgründen immer zu zweit unterwegs. Wir essen 3 mal am Tag mit den Familien, schlafen in deren Häusern, arbeiten manchmal ein bisschen mit (Maiskörner vom Maiskolben entfernen, Kaffee pflücken, Bohnen aus ihren Schalen holen, sogar auf einem Feld habe ich Löcher gegraben, aber nur für 15 Minuten) oder unterhalten die meist sehr zahlreichen Kinder (Origami steht ganz hoch im Kurs, ist aber auch das einzige was ich anbiete). <!--more--></p>
<p style="text-align: justify;"><a href="/wp-content/uploads/2007/02/begleitung-tortear.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-561" title="begleitung-tortear" src="/wp-content/uploads/2007/02/begleitung-tortear-225x300.jpg" alt="" width="225" height="300" /></a>Nach einem Monat Aufenthalt in den Dörfern kommen wir dann zu einer  Besprechung wieder in die Hauptstadt und fahren kurz darauf wieder in  unsere Dörfer. Ich werde das bis Mitte Mai machen und glaube jetzt  schon, dass mir der Abschied sehr schwer fallen wird, obwohl die Arbeit  sehr anstrengend ist. In den ersten 2 Wochen musste ich mir die Wege zu  den Häusern und die Gesichter der Personen von 80 Familien merken. Aber  das geht, bisher habe ich mich noch nicht großartig verlaufen. Die Wege  sind manchmal ganz schön weit, ab und zu müssen diese dann auch mit dem  ganzen Gepäck zurückgelegt werden.<br />
Die Familien, die wir besuchen, sind meist sehr herzlich und es kommen oft lange Gespräche zustande, auch über die schlimmen Ereignisse des Krieges. Fast alle haben Mitglieder ihrer Familien verloren oder wurden selbst gefoltert oder haben monatelang ohne Nahrung und Kleidung und Dach über dem Kopf in den Bergen überlebt.</p>
<p style="text-align: justify;">Ansonsten sind wir in den Dörfern die einzigen AusländerInnen und es gibt immer wieder mal Gerüchte das wir Kinder stehlen würden oder Menschen fressen oder Köpfe abschneiden. Viele Kinder verstecken sich auch vor uns&#8230;<a href="/wp-content/uploads/2007/02/begleitungtortillas.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-562" title="begleitungtortillas" src="/wp-content/uploads/2007/02/begleitungtortillas-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a></p>
<p style="text-align: justify;">So, ich werde diesen Bericht nun beenden und meinen Rucksack packen. Mitte März werde ich mich dann wieder melden.<br />
Meine Fotos sind diesmal nicht so sehr aussagekräftig. Zum einen werde ich so oder so aus Sicherheitsgründen keine Fotos von Menschen die ich besuche veröffentlichen und auch nicht von deren Häusern. Zum Anderen bin ich hier nicht als Fotografin unterwegs und will auch nicht als solche von den Menschen verstanden werden. Ich werde sicher noch Fotos machen, aber wohl erst in meinem letzten Monat.</p>
<p style="text-align: justify;">Von mir nun viele liebe Grüße. D</p>
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		<title>Bericht vom Einsatz in Acteal</title>
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		<pubDate>Thu, 20 Feb 2003 15:03:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Carea</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berichte]]></category>
		<category><![CDATA[Berichte aus Chiapas]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich sitze an den Stamm eines mächtigen Baumes gelehnt auf meinem Beobachtungsposten mit Blick auf die Straße. Vor mir spielt sich das allmorgendliche Schauspiel des Sonnennebelaufgangs ab und hinter mir sitzen die müden Nachtwachen und warten auf ihre Ablösung. Seit dem Massaker von Acteal 1998 gibt es hier Tag- und Nachtwachen. Vor mir erstreckt sich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><a href="/?p=463"><img class="alignleft size-full wp-image-515" title="bericht_aus_chiapas" src="/wp-content/uploads/2008/01/bericht_aus_chiapas.gif" alt="bericht aus chiapas" width="250" height="117" /></a>Ich sitze an den Stamm eines mächtigen Baumes gelehnt auf meinem Beobachtungsposten mit Blick auf die Straße. Vor mir spielt sich das allmorgendliche Schauspiel des Sonnennebelaufgangs ab und hinter mir sitzen die müden Nachtwachen und warten auf ihre Ablösung. Seit dem Massaker von Acteal 1998 gibt es hier Tag- und Nachtwachen. Vor mir erstreckt sich der Eingang zur Gemeinde und ab und zu eilt ein Mensch mit Machete, Brennholz oder Maultier den Berg rauf oder runter. Die Tienda (Geschäft) in der es immer selbstgebackenes Brot und Popcorn gibt, macht auf und wird es bis spät abends auch bleiben. Hier leben die Menschen nicht nach der Uhrzeit. Hinter mir befindet sich das umfunktionierte &#8220;Herrenhaus&#8221; dieser ehemaligen Ranch. Ein großes Mural (eine Wandmalerei) erzählt die Geschichte des Aufstandes und der Besetzung der Ranch 1994. Oft stehen die Kinder davor, zeigen auf die Bilder und erzählen sich die Geschichte. Heute sind die Gebäude der einstigen Rinderfarm mit einem ganz anderen Leben gefüllt: Die Ställe sind zu Klassenzimmern und einer Backstube, zum Laden und &#8211; klar &#8211; zum Spielplatz geworden. Das ist anfangs ein komischer Anblick, dieser pompöse Eingang, der so gar nicht zu den dahinter beginnenden Holzhütten passen will. Das wohl größte Gebäude ist die Kirche, eine riesige Holzhütte mit einer Glocke über der Türe. Ich war etwas erstaunt, dass hier wirklich sonntags nicht gearbeitet wird und alle in sauberen Sachen zur Kirche gehen. Zu den meisten Fragen gehörte auch, welche Religion ich denn hätte.<span id="more-463"></span></p>
<p style="text-align: justify;"><a href="/wp-content/uploads/2003/02/075.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-532" title="_075" src="/wp-content/uploads/2003/02/075-205x300.jpg" alt="" width="205" height="300" /></a>Während der 12 Stunden, die wir hier sitzen und die Straße im Blick haben, gibt es natürlich auch so manches Gespräch und jeden Tag kommt etwas von der Geschichte dieser Menschen hier dazu. Jeden Tag eine Kleinigkeit, eine Erinnerung oder eine Antwort auf unsere vielen Fragen. So erzählte uns an einem Sonntag jemand über die Besetzung 1994: Da waren 500 Männer, Frauen und Kinder &#8220;..y todos..&#8221; zur Ranch gekommen und haben die Rancheros vertrieben. Auf die Frage, ob sie Angst gehabt haben kommt ein glucksendes Grinsen: &#8220;Sí, han tenido miedo y se fueron&#8221; (ja sie hatten Angst und sind dann abgehauen). Nein, das Militär und die Polizei wären nicht gekommen. Es habe Auseinandersetzungen gegeben aber &#8211; &#8220;gracias a dios!&#8221; &#8211; keine Toten. Stille folgt, die meine Gedanken wieder durch die Landschaft streifen und mir das Szenario vorstellen lässt. Mit einem Blick auf die kleinen Hütten in der Ferne fügt er hinzu: &#8220;Solo hay dos cosas: Vivir o morir&#8221; (es gibt nur zwei Möglichkeiten: Leben oder sterben). Hast du nun ein besseres Leben, hier? frage ich ihn. Mit leuchtenden Augen und etwas Stolz in der Stimme sagt er &#8220;¡si! antes todas las familias tuvieron hambre, no había campo, no había agua&#8230;nada. Aquí tenemos milpas, se crece maís, plátanos y café.&#8221; (&#8220;Ja! früher hatten alle Familien Hunger, es gab kein Land, kein Wasser, nichts. Hier haben wir Felder und ein Klima, in dem Mais, Bananen und Kaffe wachsen.&#8221;). Die Menschen leben von den Erzeugnissen ihrer &#8220;milpas&#8221; und sie verkaufen etwas Kaffee und Bananen auf dem Markt. Sie haben eine Schule, eine Apotheke und ein Frauenhaus aufgebaut. &#8220;Solo vivió una familia aquí.&#8221; (&#8220;Nur eine Familie hat hier gelebt&#8221;). Das Unverständnis darüber ist deutlich an seinem Ton zu erkennen, er macht eine ausschweifende Armbewegung: &#8220;Aquí.. todo: !!Solo UNA familia!!&#8221; So weit mein Auge reicht, von den Bergen vor mir über die Straße hinweg bis zum Horizont und den Bergen hinter mir, das ist alles autonomes Gebiet. Mir fällt es schwer, die im Sonnenlicht glänzenden Wellblechdächer der Hütten wegzudenken und mir vorzustellen, dass es dort nichts als Kuhweiden gegeben hat. Im gesamten Municipio (mehrere Gemeinden bilden ein Municipio) leben ungefähr an die tausend Menschen und es kommen mehr dazu. Die Gemeinde hier ist eine gespaltene, in hauptsächlich Zapatisten und die ORCAO. Die ORCAO (regionale Organisation der Kaffepflanzer von Ocosingo), die früher mit den Zapas sympathisierten und sich auch an den Besetzungen beteiligten, stehen nun in einem mehr oder weniger offenen Konflikt zu den Zapas. Sie werden von der chiapanekischen Regierung unterstützt und erhalten die Möglichkeit, einen legalen Status für ihre besetzten Ländereien zu erlangen. Die Regierung lockt ebenfalls mit günstigen Krediten für die Viehzucht: &#8220;&#8230; die damit verbundenen günstigen Kredite für Viehzucht sind eine große Verlockung; doch das Vieh braucht mehr Land als bei der gemeinsamen Landbesetzung 1994 zugeteilt, und da wäre doch noch die Milpa, das Maisfeld des zapatistischen Nachbarn, der dieses ja &#8220;illegal&#8221; besetzt hält.&#8221; (Zitat aus einem Ciepac-Infobrief). Es gibt einige Fälle, in denen ORCAO-Mitglieder ihre zapatistischen Nachbarn überfallen haben, um ihr Land zu nehmen.&#8221; &#8220;Sie sind zu Paramilitärs geworden&#8221;, sagt ein Vertreter des autonomen Rates über die Gruppe, die ohne Absprache mit der ORCAO-Führung gehandelt haben will.&#8221; (Zitat aus einem Sipaz-Bericht). Die Polizei ist nicht an der Aufklärung solcher Vorfälle interessiert. Es wird auch gesagt, dass sie Angst vor den Paramilitärs hat. &#8220;&#8216;Landkonflikte&#8217; stellen sich als die beste Waffe heraus, um die autonomen Bezirke ungestraft zu belästigen und anzugreifen&#8221;, schreibt Hermann Bellinghausen. &#8220;Und im Grunde ist es genau das, worum es bei der Kriegsführung niederer Intensität geht.&#8221;</p>
<p style="text-align: justify;">Es gibt hier zwei Schulen, einmal die staatliche. Da die Zapas jegliche Unterstützung der Regierung ablehnen, wird diese hier nur von den ORCAO-Kindern besucht. Im Moment gibt es auch eine autonome Schule. Das ist nicht immer so, denn die Felder der &#8220;Promotores&#8221;, die den Unterricht machen, müssen von anderen bearbeitet werden. Dies passiert meistens im Rotationsprinzip und funktioniert eben manchmal nicht. Das tolle an dieser Schule ist schonmal, dass du nie zu spät kommen kannst, weil auf alle gewartet wird. Dann gibt es ein bisschen Mini-Revolutionstraining, das Singen der Hymne sowie ein bisschen militärischen Drill. Ich bin darüber ziemlich baff, aber nachdem sich alle bei &#8220;!Vuelta!&#8221; (&#8220;Wende!&#8221;) falschrum gedreht und den Kopf gestoßen hatten, schon etwas erleichtert über das Chaos, das die Kinder hier inne haben und hoffentlich behalten werden. &#8220;Vivir o morir&#8221; geht mir durch den Kopf. Diese Kinder werden wahrscheinlich auch vor die Wahl gestellt sein. Eine andere Geschichte, ein anderes Leben, und trotzdem bleibt eine zugeschnürte Kehle, wenn Kinder sich nach Befehl auf den Boden schmeißen und robben.</p>
<p style="text-align: justify;"><a href="/wp-content/uploads/2003/02/076.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-533" title="_076" src="/wp-content/uploads/2003/02/076-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Die andere Sache, die mich etwas erschrocken hat, war, dass es im öffentlichen Leben so wenige Frauen gibt. Bei den Wachen, dem allabendlichen Treffpunkt mit gemütlich zusammensitzen (und fernsehen!), dem Malen des Murales &#8211; fast nie treffe ich eine Frau. Ich weiß, dass es ein ganz schön langer und schwerer Prozess ist und die klassischen Geschlechterrollen sich nicht von heute auf morgen in Luft auflösen können. Trotzdem hatte ich gedacht, dass etwas anders damit umgegangen werden würde. Am vorletzten Tag erfahre ich, dass es eine &#8220;casa de las mujeres&#8221; &#8211; ein Frauenhaus gibt &#8211; doch im Moment wird es als Schule benutzt. Das Thema &#8220;Frauen &#8221; wurde kein einziges mal von den mitmalenden Männern (nur einmal hat eine 15-Jährige mitgemalt) thematisiert. Dass die &#8220;casa de las mujeres&#8221; auf dem Bild zwischen Hütten, Maultieren und Maispflanzen erschienen ist, ist nur der Frau der Menschenrechtsorganisation, die das ganze etwas begleitet, zu verdanken.</p>
<p style="text-align: justify;">Es ist Abend geworden. Die Menschen kommen von den (manchmal 2 Stunden entfernten) Milpas in den Bergen zurück, der Platz unter dem Baum füllt sich mit diskutierenden, gestikulierenden und lachenden Indígenas. Zwei ältere Männer sitzen auf einem Mäuerchen, zeigen auf die Hühner und sagen &#8220;ha-ahn&#8221;, &#8220;hu-uhn&#8221;, ganz konzentriert und immer wieder, aber auch mit der Zeit, zwischendurch immer wieder ein glucksendes, mitreißendes Lachen zu lachen. Daneben sitze ich und sage &#8220;ba-taan-me&#8221;, &#8220;ussi ak bii?&#8221; und wir lachen zusammen ob dem komischen Gefühl auf der Zunge beim Aussprechen der neuen Wörter. Die Kinder kommen und rennen um uns herum &#8220;ha-ahn&#8221; hihihihi, &#8220;huhn!!&#8221; &#8220;?Cómo te llamas?&#8221; -ich habe die Wörter auf Tzeltal leider vergessen. Das ist eine tolle Sprache, aber ganz schön schwer und überhaupt nicht zu verstehen. Ixim heisst Mais. Und &#8220;was machst du?&#8221; &#8220;ussi-tscha´pas?&#8221;</p>
<p style="text-align: justify;"><a href="/wp-content/uploads/2003/02/nina-lavando.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-534" title="nina-lavando" src="/wp-content/uploads/2003/02/nina-lavando-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Die Sonne ist untergegangen, nicht ohne die Berge noch einmal in ein rotes Licht zu hüllen und ein toller Sternenhimmel ist gekommen. Ich stehe vor der Türe unseres momentanen zu Hauses, betrachte die Weltkarte daneben (die ganz toll ist, wenn du zeigen magst wo denn &#8220;alemania&#8221; nun liegt und, dass es kein Teil von Italien ist) und denke, dass ihr doch schon ganz schön weit weg seid&#8230; . Aber jetzt gibts erstmal Tortillas mit angebratenen Tomaten und Salsa Mexicana. Dann vielleicht noch ein Refresco aus der Tienda und dann in die Hängematte.</p>
<p style="text-align: justify;">Eines Morgens wache ich nicht von tzeltal- sondern von spanischsprechenden Stimmen auf. Es gibt einen Workshop zu dem Mural auf der Hauswand. Neugierig steh ich davor und höre zu, dann kommt eine Frau auf mich zu und fragt, ob ich denn mitmalen werde. Sie würden nämlich nun das Mural (Wandbild) beenden, zumindest soweit es die Geschichte zulässt, &#8230;denn die ist noch nicht zuende! Vor ein paar Tagen gab es eine neue Besetzung. Die Geschichte geht weiter!</p>
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		<title>Angespannte Lage im Gebiet Ocosingo</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Sep 2002 15:01:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Carea</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berichte]]></category>
		<category><![CDATA[Berichte aus Chiapas]]></category>

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		<description><![CDATA[Am 07.08. wurde in der autonomen Gemeinde &#8220;6. August&#8221; ein Unterstützer der zapatistischen Bewegung von drei Paramilitärs umgebracht. Auf seiner Milpa arbeitend wurde der Compañero José Lopez Santiz mit acht Kugeln, vor den Augen seiner fünf und sechs Jahre alten Kinder, von den aus Altamirano stammenden Paramilitärs Benjamin Montoya Oceguera, Baltazar Alfonso Utrilla und Belisario [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><a href="/?p=461"><img class="alignleft size-full wp-image-515" title="bericht_aus_chiapas" src="/wp-content/uploads/2008/01/bericht_aus_chiapas.gif" alt="bericht aus chiapas" width="250" height="117" /></a>Am 07.08. wurde in der autonomen Gemeinde &#8220;6. August&#8221; ein Unterstützer der zapatistischen Bewegung von drei Paramilitärs umgebracht. Auf seiner Milpa arbeitend wurde der Compañero José Lopez Santiz mit acht Kugeln, vor den Augen seiner fünf und sechs Jahre alten Kinder, von den aus Altamirano stammenden Paramilitärs Benjamin Montoya Oceguera, Baltazar Alfonso Utrilla und Belisario Castellanos Gomez erschossen. Am 19.08 kam es in Altamirano zu einer Demonstration von hunderten Unterstützern der Zapatisten, auf der Gerechtigkeit für den Tod von José Lopez Santiz gefordert wurde. Die Zapatisten forderten dabei auch die Umsetzung der Verträge von San Andrés und damit auch die Möglichkeit, traditionelle indigene Rechtsprechung anzuwenden, in der in so einem Fall keine konventionelle Gefängnisstrafe sondern die Unterstützung (Sicherung des Lebensunterhaltes) der Familie des Ermordeten durch die Täter vorgesehen ist.<span id="more-461"></span></p>
<p style="text-align: justify;">Bedingt durch die angespannte Lage besteht eine erhöhte Notwendigkeit an Menschenrechtsbeobachtern, die zur Sicherheit der autonomen zapatistischen Gemeinden in diese Region geschickt werden. Also nahm ich am 20.08. an der Vorbereitung für den Aufenthalt in einer Gemeinde des Konfliktgebietes teil. Seit ungefähr Anfang August hat die Basis der Zapatisten innerhalb ihrer autonomen Bezirke Straßensperren errichtet. Mit Hilfe dieser soll folgendes erreicht werden: 1: Stop der illegalen Abholzung gefährdeter, seltener Holzarten 2: Stop der Zirkulation einer großen Anzahl gestohlener Fahrzeuge 3: Durchsetzung des Verbotes von Alkohol und Drogen innerhalb der autonomen Gebiete. Meine, ganz persönliche Einschätzung ist, dass durch die Straßensperren ebenfalls die Bewegungsfreiheit und der Terror der paramilitärischen Gruppen gegen die zapatistische Zivilbevölkerung eingeschränkt werden soll.</p>
<p style="text-align: justify;"><a href="/wp-content/uploads/2002/09/06_1998e.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-536" title="06_1998e" src="/wp-content/uploads/2002/09/06_1998e-140x300.jpg" alt="" width="140" height="300" /></a>Ich wurde als Teil einer sechsköpfigen Gruppe von Menschenrechtsbeobachtern in das Municipio San Manuel, in die Gemeinde Nuevo Guadalupe, Quexil, ca. eine Stunde von Ocosingo entfernt geschickt. Am Montag, den 19.08, zwei Tage vor unserer Ankunft, kam es in dieser Gemeinde zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Paramilitärs aus Montelíbano und den Bewohnern der Gemeinde. Gegen sechs Uhr morgens kam eine Gruppe von fast 200 Mitgliedern der paramilitärischen Organisation OPDIC an der Kreuzung (mit Straßensperre) des Dorfes an. Zuerst wurde aus der Gruppe der Paramilitärs heraus das Zapata und Sub Marcos tragende Ortsschild mit Steinen beschmissen, dann drang ein Teil der Paramilitärs in ein an der Strasse liegendes Wohnhaus ein, beraubte die Bewohner und zerstörte die Einrichtung. Als die Dorfbewohner mit Macheten und Stöcken bewaffnet, dem täglichen Arbeitsgerät eines Campesinos, zusammenkamen, um sich und ihr weniges Hab und Gut zu verteidigen griffen die Paramilitärs zu Schusswaffen.</p>
<p style="text-align: justify;">Im anschließenden &#8220;Gefecht&#8221; zwischen den beiden Gruppen kam es zu erheblichen Verletzungen. Neben etlichen Verletzungen durch Steine und Schläge an Gesichtern und Körpern sind drei Zapatisten durch Kugeln aus Kaliber-22 Gewehren verletzt worden. Ein Compañero hat einen Durchschuss des rechten Unterschenkels, der zweite einen Steckschuss links etwas oberhalb des Beckens, der dritte Compañero hat einen Durchschuss des rechten Oberarms sowie einen Steckschuss links etwas unterhalb des Schulterblattes. Diese Kugel konnte nicht entfernt werden und steckt noch immer in der Lunge des Opfers. Der erste der drei wurde mehr schlecht als recht (oberflächliche Wunde, eine Salbe ist vollkommen ausreichend&#8230;) im staatlichen Krankenhaus von Ocosingo behandelt, die beiden anderen sind in einer Station der &#8220;Ärzte ohne Grenzen&#8221; operiert worden. Unter den hygienisch schlechten Bedingungen, in denen sie leben ist der Heilungsprozess sehr schlecht und sie erholen sich nur langsam. Auf Seiten der paramilitärischen Gruppe kam es zu drei Verletzten, einer davon schwer. So stellte sich für uns die Situation in der Gemeinde dar als wir ankamen.</p>
<p style="text-align: justify;">Vom 21.-27.08 ist es zu großen Militärbewegungen zwischen den Camps bei Ocosingo und bei Montelíbano (durch unsere Gemeinde hindurch) gekommen. Besonders zu erwähnen sind ein Konvoi am 25.08., bestehend aus 12 Militärfahrzeugen und ca. 165 Soldaten von Ocosingo nach Montelíbano, sowie ein Konvoi am 26.08. bestehend aus 42 Militärfahrzeugen und ca. 275 Soldaten in die entgegengesetzte Richtung. Interessant ist besonders ersterer, da innerhalb dieses Konvois 5 zivile Wagen mit Paramilitärs gefahren sind, die so umgehen konnten, an der Straßensperre in unserer Gemeinde angehalten und kontrolliert zu werden.</p>
<p style="text-align: justify;">In dieser Zeit sind wir informiert worden, dass am 01.09. eine Versammlung der paramilitärischen Gruppe OPDIC in Montelíbano stattfinden wird. Es sei daher zu befürchten, dass es innerhalb des Monats September zu einem direkten Angriff auf Nuevo Guadalupe kommen wird. Aus diesem Grunde stellte sich für uns Campamentistas die Frage, wie wir uns verhalten werden, falls dies noch während unseres Aufenthaltes in der Gemeinde (bis zum 06.09.) der Fall sein sollte. Es stehen prinzipiell immer zwei Möglichkeiten zur Auswahl, entweder, uns rechtzeitig evakuieren zu lassen, oder, in der Hoffnung, dass unsere Anwesenheit einen (wenn auch kleinen) Faktor der Sicherheit für die Bewohner der Gemeinde darstellt, zu bleiben. Nachdem uns die Verantwortlichen versichert hatten (in dem Fall unseres Bleibens), dass, falls die Situation zu gefährlich für uns werden sollte, wir an einen sicheren Ort gebracht würden, von dem aus wir beobachten könnten, was im Dorf passiert, haben wir uns gemeinsam entschlossen, in dem eventuell eintretenden Fall zu bleiben.</p>
<p style="text-align: justify;"><a href="/wp-content/uploads/2002/09/06_fam_la_realidad_1996.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-537" title="06_fam_la_realidad_1996" src="/wp-content/uploads/2002/09/06_fam_la_realidad_1996-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" /></a>Ein Tag später, der 27.08.: Wir werden von dem Verantwortlichen um 22:15 Uhr informiert, dass sich drei- bis vierhundert Mitglieder der Gruppe OPDIC in Montelíbano sammeln. Der schwer verletzte Paramilitär ist an seinen Verletzungen erlegen. Durch den Tod des Paramilitärs ist ein sofortiger, direkter Angriff auf die Gemeinde mehr als wahrscheinlich geworden. Sie werden gegen Mitternacht Richtung Nuevo Guadalupe aufbrechen. Es ist eine lange und schlaflose Nacht. Wir Campamentistas sitzen zusammen und reden. Was wird der nächste Morgen bringen? Montelíbano ist ungefähr fünf Stunden über Schotterpiste entfernt, was bedeutet, dass die Paramilitärs hier kurz vor Morgengrauen eintreffen werden. Während der Nacht bekommen wir widersprüchliche Informationen, dass die Frauen und Kinder das Dorf verlassen werden und auch wir evakuiert werden sollen. Letztendlich werden wir in der Gemeinde bleiben. Die ganze Nacht über kommen viele, sehr viele Zapatisten aus den umliegenden Gemeinden zusammen, um Nuevo Guadalupe gegen den erwarteten Angriff zu verteidigen. Um 3:30 Uhr werden wir benachrichtigt, dass die Paramilitärs noch 10 km entfernt sind und wir uns bereithalten sollen. Schnell sind wir aus unseren Hängematten heraus, für die wenige Zeit, die wir geschlafen haben (wenn überhaupt), war es unnötig unsere Kleider auszuziehen. Warten. Ungewissheit. Hoffen, dass alles gut geht. Die Zapatisten haben sich entschlossen, sich entlang der Strasse, vor den Häusern (zum Schutz derselben) aufzustellen. Sie wollen die Strasse nicht blockieren und den Paramilitärs eine ungehinderte Durchfahrt ermöglichen, um sie nicht unnötig zu provozieren. Wir warten.</p>
<p style="text-align: justify;">Um 5:30 Uhr kommt endlich die erlösende Nachricht, dass die Paramilitärs auf den letzten Kilometern gestoppt und umgedreht haben. Die Gefahr eines Angriffs ist vorbei. Sinnloses Blutvergießen konnte nochmal verhindert werden. Durch die gute und schnelle Organisation, das Zusammenziehen einer grossen Anzahl zapatistischer Unterstützer aus den umliegenden Gemeinden in nur wenigen Stunden, sind die Paramilitärs wohl überrascht und abgeschreckt worden und haben sich dann wieder zurückgezogen. Nach dieser Nacht ist für die nächsten sieben Tage kein einziges Militärfahrzeug durch die Gemeinde gefahren.</p>
<p style="text-align: justify;"><a href="/wp-content/uploads/2002/09/ez1.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-538" title="ez1" src="/wp-content/uploads/2002/09/ez1-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Verschiedenste paramilitärische Gruppen haben innerhalb des letzten Monats angekündigt, eine nach der anderen Autoridad der autonomen zapatistischen Gemeinden und Kreise zu eliminieren, bis keine mehr am Leben ist. Am Morgen des 25.08 sind im Municipio Ricardo Flores Magon in der Gemeinde Amaytik zwei Autoridades bei einer Versammlung in einer Schule von Paramilitärs ermordet worden. Ihre toten Körper sind von ihren Mördern dem Militär übergeben und von diesem mit einem Helikopter ausgeflogen worden. Bis heute sind ihre Leichname nicht wieder aufgetaucht. In der Nacht des 26.08 ist im Municipio Olga Isabél, in der Gemeinde K&#8217;an Akil eine weitere Autoridad ermordet worden. Die Täter gehören einer paramilitärischen Gruppe namens &#8220;Los Aguilares&#8221; an. Der gleichnamige Kopf der Gruppe ist ein ehemaliges Mitglied der mexikanischen Bundesarmee, woher auch die Waffen der Gruppe stammen.</p>
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		<title>Bericht vom Marsch der Farbe der Erde</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Mar 2001 14:58:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Carea</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berichte]]></category>
		<category><![CDATA[Berichte aus Chiapas]]></category>

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		<description><![CDATA[Im Februar 2001 machte sich eine große zapatistische Karawane, der sogenannte &#8220;Marsch der Farbe der Erde&#8221;, begleitet von mexikanischen und internationalen BeobachterInnen, von Chiapas aus auf in Richtung Mexiko-Stadt, mit der Absicht, einen vorerst letzten Versuch des Dialoges mit der Regierung zu unternehmen. Als Voraussetzungen für die Aufnahme dieses Dialoges hatten die Zapatistas drei Bedingungen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><a href="/?p=459"><img class="alignleft size-full wp-image-515" title="bericht_aus_chiapas" src="/wp-content/uploads/2008/01/bericht_aus_chiapas.gif" alt="bericht aus chiapas" width="250" height="117" /></a>Im Februar 2001 machte sich eine große zapatistische Karawane, der sogenannte &#8220;Marsch der Farbe der Erde&#8221;, begleitet von mexikanischen und internationalen BeobachterInnen, von Chiapas aus auf in Richtung Mexiko-Stadt, mit der Absicht, einen vorerst letzten Versuch des Dialoges mit der Regierung zu unternehmen. Als Voraussetzungen für die Aufnahme dieses Dialoges hatten die Zapatistas drei Bedingungen formuliert: Der Rückzug des mexikanischen Militärs von sieben festgelegten Positionen, die Freilassung der zapatistischen Gefangenen sowie die Umsetzung der Abkommen von San Andres. Da keine der Bedingungen &#8211; und am wenigsten die letzte &#8211; erfüllt wurde, kam es nicht zu diesem Dialog.<span id="more-459"></span></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Bericht von der Marcha</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die letzten zwei Wochen, in denen ich am &#8220;Marsch&#8221; der EZLN von Chiapas nach Mexiko City als internationaler Begleiter teilgenommen habe, sind alles andere als einfach zusammenzufassen: Jeder einzelne Tag war angefuellt mit einer Unmenge an Ereignissen und Eindruecken, dazu kamen staendiger Zeitdruck und manchmal absolutes Chaos.</p>
<p style="text-align: justify;"><a href="/wp-content/uploads/2001/03/el_don.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-540" title="el_don" src="/wp-content/uploads/2001/03/el_don-224x300.jpg" alt="" width="224" height="300" /></a>Der &#8220;Marsch&#8221;, der sich am 27. Februar von San Cristobal de las Casas aus in Richtung mexikanischer Hauptstadt in Bewegung setzte, war zunaechst einmal ein Konvoi, bestehend aus Autobussen, Mini-Bussen, Pick-Ups und PKWs. An der Spitze fuhren stehts die 23 Comandantes und Comandantas des CRRI-CG (Geheimes Revolutionaeres Indigena-Komitee, General-Kommandantschaft) der EZLN (Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung) und Subcomandante Insurgente Marcos in einem eigenen Autobus. Dahinter folgten die Fahrzeuge der Organisatoren der Karawane, dann die Autobusse der mexikanischen und internationalen Zivilgesellschaft. Mit den unzaehligen unabhaengig organisierten Fahrzeugen von Sympathisanten, Presse und der mexikanischen Bundespolizei bildete sich ein mehrere Kilometer langer Treck. Insgesamt 1.600 Beamte der Bundespolizei waren zur &#8220;Sicherheit&#8221; der Karawane abgestellt. Staendig begleitete ein Polizei-Hubschrauber den Zug und die nicht wenigen Agenten in Zivil mit Video-Kameras interessierten sich insbesondere fuer die internationalen Teilnehmer.</p>
<p style="text-align: justify;">Zudem wurde die Fuehrungsspitze der EZLN auf ihrem Weg nach Mexiko-City begleitet von Delegierten des 3. Nationalen Indigena-Konress, von einigen der aeltesten Zapatistas des Landes, die schon Anfang des 20. Jahrhunderts an der Seite von Emiliano Zapata kaempften, ausserdem von Vertretern der zivilen Basen der EZLN sowie der mexikanischen und internationalen Zivilgesellschaft, Menschen verschiedensten Alters aus allen Teilen Mexikos und der ganzen Welt. Nicht zu vergessen die zahlreichen Journalisten der nationalen und internationalen Presse, die &#8220;live&#8221; von der &#8220;Zapa-Tour&#8221; berichteten.</p>
<p style="text-align: justify;">Die &#8220;Karawane der Wuerde und der Hoffnung&#8221; fuehrte auf mehr als 3.500 Kilometern durch 12 verschiedene mexikanische Bundesstaaten und damit unterschiedlichste Klima- und Vegetationszonen und verlangte den Teilnehmern viel Geduld beim langen Busfahren und eine gewisse Ruhe bei oft unklaren Uebernachtungs- und Verpflegungsmoeglichkeiten ab. Dafuer wurden wir aber oft genug durch begeisterte Empfaenge auf den verschiedenen Stationen entschaedigt: Hunderttausende Menschen empfingen die Karawane auf ihrer Route und drueckten mit ihrem Jubel ihre Unterstuetzung fuer die Forderungen der EZLN aus: &#8220;No estan solos!&#8221; (Ihr seid nicht allein!).</p>
<p style="text-align: justify;">Hoehepunkte in dieser Hinsicht waren sicher die Aufenthalte in den kleineren Staedten wie Juchitan (Bundesstaat Oaxaca), Orizaba (Veracruz) oder Acambaro (Guanajuato), wo uns die Menschen mit einer unglaublichen Freundlichkeit und Grosszuegigkeit aufgenommen haben. Als wir beispielsweise mit unserem Bus am Donnerstag, dem 01. Maerz eine Motorpanne hatten und so den Anschluss an die Karawane verloren, sind wir nach der Reparatur nach Acambaro vorgefahren, wo die zweitletzte Station fuer diesen Tag geplant war, um dort wieder zur Karawane zu stossen. Allerdings hatte sich zuvor ein Unfall auf der Autobahn kurz vor der Millionenstadt Queretaro ereignet, in den ein Begleitfahrzeug der Karawane, ein Polizeiwagen sowie der Bus der Comandancia der EZLN verwickelt waren, und in dessen Folge ein Polizist sein Leben verlor. Die Karawane musste deshalb eine ungeplante Uebernachtung in Queretano verbringen, und wir waren ohne Anschluss in Acambaro. Spezielle Brisanz hatte diese Situation, da der Gouverneur von Queretano im Vorfeld der Marcha die EZLN des Vaterlandverrats beschimpfte und im Moment des Verlassens des Staatsgebiets von Chiapas die Erschiessung der Comandantes und Comandantas forderte. Wir waren in diesem Moment ziemlich verunsichert und angespannt. Doch die Verantwortlichen fuer die Veranstaltung in Acambaro mit der EZLN von der Organisation der lokalen Sympathisanten der Zapatisten hatten innerhalb zwei Stunden eine Schlafmoeglichkeit in einem erst halbfertiggestellten Hotel organisiert, inklusive offenem Kaminfeuer und vegetarischen Sandwiches.</p>
<p style="text-align: justify;">In anderen Staedten und Gemeinden waren wir zum Teil in Schulen oder Sporthallen untergebracht, oft mussten wir auch unter freiem Himmel oder im Bus schlafen. Als internationale Begleiter der Karawane der EZLN haben wir immer wieder mit den Mexikanern symbolische Sicherheitsguertel fuer die Comandantas und Comandantes gebildet, wenn diese zu den Veranstaltungen an den Reisestationen ihren Bus verliessen.</p>
<p style="text-align: justify;"><a href="/wp-content/uploads/2001/03/09_14julio2000_larealidad.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-543" title="09_14julio2000_larealidad" src="/wp-content/uploads/2001/03/09_14julio2000_larealidad-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Ein weiterer Hoehepunkt der Marcha war sicherlich der dreitaegige Aufenthalt in Nurio (Michoacan), wo die Comandancia der EZLN am Dritten Nationalen Indigena-Kongress (CNI) teilgenommen hat. Hier waren 40 der 57 indigenen Volksgruppen Mexikos durch mehrere Tausend Delegierte vertreten. An runden Tischen wurde in demokratischer Weise ueber verschiedenste Themen diskutiert, beispielsweise ueber die Umsetzung der Acuerdos von San Andres, Vorschlaege an die Vermittlungskommission CoCoPa oder die Belange der indigenen Frauen. Wir als internationale Beobachter konnten uns die Diskussionen an den Tischen anhoeren, hatten aber kein Rederecht. Ausserdem konnten wir uns von den Reiseanstrengungen etwas erholen, duschen und etwas ausschlafen. Auf der Abschlusskundgebung des CNI am Sonntag, dem 04. Maerz wurden die Ergebnisse der Beratungen vorgestellt, ausserdem die Wichtigkeit des gemeinsamen Kampfes fuer die Rechte der indigenen Bevoelkerung Mexikos betont und der EZLN die Unterstuetzung in ihrem Kampf fuer indigene Rechte und Kultur zugesichert. Bekraeftigt wurde einmal mehr die Forderung, eine neue Welt zu schaffen, eine Welt, in die viele Welten passen. Mehrere Delegierte des CNI schlossen sich der Karawane der EZLN an.</p>
<p style="text-align: justify;">Am 11. Maerz 2001 kam die Comandancia der EZLN inklusive Subcomandante Marcos in Mexiko-Stadt an. Unter stuermischem Beifall von etwa 200.000 versammelten Menschen auf dem hauptstaedtischen Zocalo (Mittelpunkt in der kolonialen Stadtarchitektur) wurde die Karawane der Zapatisten an diesem Tag empfangen.</p>
<p style="text-align: justify;"><a href="/wp-content/uploads/2001/03/mujer_zapatista.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-542" title="mujer_zapatista" src="/wp-content/uploads/2001/03/mujer_zapatista-225x300.jpg" alt="" width="225" height="300" /></a>Nach der Ansprache der Comandantes der EZLN auf dem Zocalo fuhren wir gemeinsam zum Gelaende der UNAM (Universidad Nacional Autonoma de Mexico, mit rund 400.000 StudentInnen die groesste Universitaet der Welt) im Sueden der Metropole. Dort ist die Fuehrung der EZLN nun auf dem Campus der ENAH (Escuela Nacional de Antropologia e Historia) mit einigen internationalen Begleitern und den Delegierten des CNI untergebracht. Auf dem grossen Haupt-Campus der UNAM, vor der bekannten, mit einem riesiegen Wandmosaik verzierten Bibliothek ist der Rest der zapatistischen Karawane untergebracht. Hier haben sympathisierende Studenten ein &#8220;Aguascalientes&#8221; (zapatistisches Diskussions- und Versammlungsdorf) fuer uns errichtet, mit Podium und Buehne, Zelten zum Schlafen und einer Kueche. Der immer noch vom Studentenstreik besetzte Hoersaal &#8220;Che Guevara&#8221; wurde ebenfalls als Schlafraum umfunktioniert.</p>
<p style="text-align: justify;">Wie in der mexikanischen Zivilgesellschaft &#8211; immer wieder versammelten sich Hunderte Menschen entlang der Strasse, um Sprech-Choere zu bilden und Tansparente hochzuhalten &#8211; fand diese einzigartige Reise fuer einen gerechten und wuerdevollen Frieden in Chiapas natuerlich auch in den Medien ein grosses Echo. Staendig wurde die Karawane von mindestens zwei Helikoptern der kommerziellen nationalen Fernsehsender &#8220;TV Azteca&#8221; und &#8220;Televisa&#8221; begleitet, die in ihrer Berichterstattung traditionell der mexikanischen Regierung nahestehen. Dennoch waren im mexikanischen Fernsehen keine &#8220;Live&#8221;-Bilder vom sensationellen Einzug der Karawane im Zentrum von Mexiko-City zu sehen. Von diesen Fernsehstationen und auch von Praesident Vicente Fox wurde die Karawane immer wieder als Wille der EZLN fuer den Frieden charakterisert, der mexikanische Innenminister Creel liess in der Presse sogar verlautbaren, die Tolerierung der Marcha durch die Regierung, anstatt eine militaerische Option zu waehlen, zeuge vom guten Willen und der Toleranz der neuen Regierung.</p>
<p style="text-align: justify;">Dabei scheint Fox aber zu uebersehen, dass er noch immer nicht die drei Forderungen der EZLN komplett erfuellt hat, die diese an ihn gestellt hat, um wieder an der Verhandlungstisch zurueckzukehren. Eine Einladung von Fox an Sucomandante Marcos, ein Vier-Augen-Gespraech im Praesidentenpalast &#8220;Los Pinos&#8221; zu fuehren, hat Marcos auch deshalb abgelehnt. Solange die drei Forderungen nicht erfüllt seien, gebe es keine Gespräche mit der Regierung, erklärte Marcos. Zudem diene ein solches Zusammentreffen primär der Aufbesserung des Foxschen Ansehens, während gleichzeitig die indigene Bewegung trivialisiert würde. Die EZLN betont deshalb auch immer wieder, dass es in Chiapas zwar um einen Frieden geht, aber einen Frieden mit zwei wichtigen Adjektiven: &#8220;gerecht&#8221; und &#8220;wuerdevoll&#8221;. Dies steht den Absichten der mexikanischen Regierung und ihrem &#8220;Plan-Puebla-Panama&#8221; fundamental entgegen, da sich indigene Kultur und Lebensweise nicht auf staatlichen Strassenbau und Infrastrukturmassnahmen, &#8220;Maquiladora-Industrie&#8221; (typische Industrialisierungsform des mexikanischen Norden an der Grenze zu den USA, in Fabriken werden importierte Einzelteile aus den USA unter Ausnutzung der mexikanischen Billigloehne zusammengesetzt und dann wieder reimportiert) und eingezaeunte Reservationen fuer die &#8220;Ureinwohner&#8221; beschraenken laesst.</p>
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		<title>Mein Einsatz bei den Abejas</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Feb 2001 14:52:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Carea</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berichte]]></category>
		<category><![CDATA[Berichte aus Chiapas]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Weg in die Gemeinde Die Gemeinde liegt ungefähr 1 ½ Autostunden noerdlich von San Cristobal in den Altos (Hoehen) von Chiapas. Auf dem Weg kamen wir auch an Acteal, dem Ort des Massakers von 1997 vorbei, bei dem 45 Menschen brutal ermordet wurden. Das Gebiet erscheint auch heute noch stark militarisiert, obwohl ja der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong> <a href="/?p=455"><img class="alignleft size-full wp-image-515" title="bericht_aus_chiapas" src="/wp-content/uploads/2008/01/bericht_aus_chiapas.gif" alt="bericht aus chiapas" width="250" height="117" /></a>Der Weg in die Gemeinde</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die Gemeinde liegt ungefähr 1 ½ Autostunden noerdlich von San Cristobal in den Altos (Hoehen) von Chiapas. Auf dem Weg kamen wir auch an Acteal, dem Ort des Massakers von 1997 vorbei, bei dem 45 Menschen brutal ermordet wurden. Das Gebiet erscheint auch heute noch stark militarisiert, obwohl ja der neue Präsident Mexicos, Vicente Fox versprochen hat, die militärische Präsenz in Chiapas zu reduzieren. Auf keiner meiner vorigen Reisen durch Chiapas bin ich an so vielen Militärcamps und Kontrollpunkten vorbeigekommen. Zusätzlich kamen uns ständig Soldaten auf gepanzerten Jeeps, der Sorte &#8220;Hummer&#8221; aus US-amerikanischer Produktion und Lastwagen von Mercedes-Benz entgegen, bewaffnet mit dem deutschen Armeegewehr &#8220;G3&#8243; von Heckler und Koch.<span id="more-455"></span></p>
<p style="text-align: justify;">Die Gemeinde ist nur über einen schmalen Trampelpfad zu Fuß zu erreichen, für den wir mit unseren schweren Rucksäcken etwa eine ¾ Stunde gebraucht haben. Auch direkt an diesem Pfad liegt ebenfalls ein Camp der mexikanischen Bundesarmee, die so alle Personen, die sich zwischen der Gemeinde und dem nächsten Ort an der Strasse bewegen, kontrollieren kann. Als wir ins Dorf kamen und auch auf unserem Rückweg, wurden wir allerdings nicht angehalten, sondern lediglich unser &#8220;Buenos Dias&#8221; freundlich erwidert. Die Gemeinde hat heute etwa 700 Einwohner, von denen der größte Teil Flüchtlinge aus Dörfern der Umgebung sind. Sie alle gehoeren zu der Organisation der &#8220;Abejas&#8221; (Die Bienen).</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Die &#8220;Abejas&#8221;</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Als Organisation der mexikanischen Zivilgesellschaft kämpfen die Abejas mit gewaltfreien Mitteln für einen gerechten und würdevollen Frieden in Chiapas. 1997 wurden bei dem Massaker von Acteal 45 ihrer Mitglieder, die meisten Frauen und Kinder, brutal von Paramilitärs ermordet.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Geschichte der Organisation beginnt 1992 nach einem Familienstreit über ein vererbtes Stück Land in der Gemeinde von Tzanembolom im Bezirk Chenalho. Die dortige Dorfversammlung entschied, daß das Land in gleichgroßen Stücken an die hinterbliebenen Kinder vergeben werden sollte. Einer der Erben begann dann aus Unzufriedenheit über diese gemeinschaftliche Entscheidung, die Gemeinde mit einer Gruppe von Freunden aus anderen Dörfern mit Gewalt zu bedrohen.</p>
<p style="text-align: justify;">Als Antwort darauf beschlossen die Einwohner von Tzanembolom mit anderen Gemeinden eine Organisation zu gründen, um sich im Falle eines Angriffs verteidigen zu können. Am 9. Dezember 1992 trafen sich die Vertreter der Gemeinden in Tzajalchen zur Gründungsversammlung der bis dahin aber noch namenlosen Organisation der Abejas. Nach diesem Treffen wurden drei Personen angegriffen und angeschossen. Einer starb und zwei wurden schwer verletzt. Statt die Verantwortlichen zu verhaften, nahmen die Behörden fünf Personen fest, die vorher an dem Treffen teilgenommen hatten. Sie wurden ins Gefängnis nach San Cristobal gebracht.</p>
<p style="text-align: justify;">Am folgenden Tag organisierten die Abejas einen Protestzug nach San Cristobal, aber immer noch ohne Namen für ihre Vereinigung. Während dem Zug wurden sie immer wieder von Pressevertretern nach dem Namen ihrer Organisation gefragt, konnten aber keine Antwort geben. Alle paar Stunden haben sie dann darüber beraten und erst kurz vor San Cristobal kamen sie auf die &#8220;Abejas&#8221;. Sie erklären den Namen folgenderweise: Sie seien eine Vielzahl an Personen und wollten genauso wie die Bienen ihren Bienenkorb bauen, wo sie gemeinschaftlich arbeiten und Honig für alle produzieren können. Die Biene sei zudem ein kleines Tierchen, das aber stechen kann. Der Kampf der Abejas sei ein Kampf kleiner friedlicher Stiche.</p>
<p style="text-align: justify;">Nach dem eintägigen Fußmarsch nach San Cristobal organisierten sie dort für mehrere Tage eine Mahnwache vor dem Gefängnis und Demonstrationen in der Stadtmitte, um die Unschuldigen aus dem Gefängnis zu befreien. Nach 27 Tagen sahen sich dann die Behörden veranlaßt, die Verhafteten aus Mangel an Beweisen freizulassen. Während dieser langen Zeit erhielten die Abejas Hilfe und Unterstützung von anderen Organisationen der Zivilgesellschaft, unter anderem auch vom Menschenrechtszentrum Fray Bartholme de las Casas, mit dem ich als Campamentista unterwegs bin.</p>
<p style="text-align: justify;">Nach diesem Anfangserfolg fuhren die Abejas fort, sich zu organisieren. Heute gibt es Gruppen in 42 Gemeinden mit ca. 4.500 Mitgliedern, die große Mehrheit von ihnen ist katholisch. Ein Teil ihres Kampfes sind die Praktiken &#8220;zivilen Widerstands&#8221;. Die Abejas zahlen keine Steuern an den Staat und akzeptieren gleichzeitig keine Hilfe vom Staat bis die Regierung die Abkommen von San Andres über indigene Rechte und Kultur anerkennt und es einen gerechten Frieden in Chiapas gibt.</p>
<p style="text-align: justify;">Nach dem Beginn des bewaffneten zapatistischen Widerstand 1994 nahmen die Abejas am Verhandlungsort in San Andres an den &#8220;Friedensgürteln&#8221; teil. (Symbolischer Schutz der Friedensgespräche zwischen Regierung und EZLN durch Menschenketten um den Tagungsort) Die Abejas wurden aber nicht zu Zapatistas. Statt dessen entschieden sie, in der Zivilgesellschaft zu verbleiben, als ein anderes Standbein des Widerstands neben der EZLN. Sie befolgen keine Befehle der EZLN und kämpfen mit friedlichen Mitteln, statt mit Waffen. Die EZLN akzeptiert den Weg der Abejas, sie hätten die gleichen Ziele, aber unterschiedliche Wege, diese zu verfolgen.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Mitglieder der Abejas schrieben im Folgenden &#8220;Zivilgesellschaft &#8211; neutrale Zone&#8221; auf ihre Häuser und hißten an ihnen weiße Friedensflaggen. Neutral bedeutet für sie, nicht Teil der Gewalt zwischen den Unterstützern der ehemaligen Staatspartei PRI (Partei der Institutionalisierten Revolution), den Paramilitärs und der Armee auf der einen Seite und der EZLN auf der anderen Seite sein zu wollen. Dies wurde aber von den &#8220;PRIistas&#8221; und den Paramilitärs nicht akzeptiert, es kam zu Vertreibungen, die Häuser der Abejas wurden angezündet und ihre Ernten vernichtet oder gestohlen. Viele der Flüchtlinge in der Gemeinde erzählten uns, daß sich in ihren Heimatgemeinden die Paramilitärs organisierten und Geld zu sammeln begannen, um Waffen und Munition zu kaufen. Dabei wurden sie vom damaligen Bürgermeister von Chenalho unterstützt, der dafür heute im Gefängnis sitzt.</p>
<p style="text-align: justify;">Zum Teil wurden die Mitglieder der Abejas mit vorgehaltenem Gewehr bedroht, aus der Organisation auszutreten oder ihr Dorf zu verlassen. Die Mehrheit der Abejas mußte aus ihren Häusern und Gemeinden fliehen, als Resultat der Bedrohung, Verfolgung und Attacken durch paramilitärische Gruppen. Sie leben heute in verschiedenen Flüchtlingslagern.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Die Gemeinde</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Unser Campamento lag in der Dorfmitte, am zentralen Dorfplatz, dessen überdachte Hälfte als Kirche und Versammlungsort genutzt wird. Die Häuser der Flüchtlinge gruppieren sich um diesen Mittelpunkt auf den umliegenden Hügeln, aufgeteilt nach ihrer Herkunft, wie kleine Viertel. Viele der Häuser haben lediglich Plastikplanen als Wände, was sich natürlich bei dem rauhen Höhenklima negativ auf die Gesundheit der Bewohner auswirkt. Ebenfalls große Probleme der Flüchtlinge in der Gemeinde sind:</p>
<ul style="text-align: justify;">
<li> der allgemeine Platzmangel: praktisch alle Häuser mußten an Hängen erstellt werden, es gibt nicht genügend Anbauflächen in der näheren Umgebung,</li>
<li>die Brennholzversorgung, große Bestände an Waldflächen wurden schon gerodet, die Leute müssen immer weitere Wege gehen, um Feuerholz zu sammeln,</li>
<li>in Folge dessen sind viele Flächen von Bodenerosion betroffen,</li>
<li>die Wasserversorgung und hygienische Situation ist ebenfalls bei weitem nicht ausreichend,</li>
<li>von der Mangelernährung (fast ausschließlich Reis, Bohnen, Mais) sind vor allem die Kinder betroffen, viele von ihnen haben aufgequollene Bäuche.</li>
</ul>
<p style="text-align: justify;">Die Flüchtlinge erhalten monatliche Lebensmittelhilfen vom Internationalen Roten Kreuz, es gibt einen Posten des Internationalen Roten Kreuz (finanziert von der Europäischen Union) im Dorf sowie einen Arzt der &#8220;Medicos del Mundo&#8221;, der jeweils 10 Tage pro Monat, Kranke versorgt und Jugendliche als Gesundheitsbeauftragte ausbildet.</p>
<p style="text-align: justify;">Es gibt mehrere Schulräume, wo allerdings während unseres Aufenthalts in der Gemeinde, kein Unterricht stattfand, da gerade die Zeit der Kaffeeernte ist, wo alle Familienmitglieder eingespannt sind. Es gibt keinen Strom in der Gemeinde bis auf einige Solarzellen an 4 Häusern (Spenden anderer Organisationen). Im Dorf sind an fast allen Häusern weiße Friedensflaggen gehisst.</p>
<p style="text-align: justify;">Allgemein sprechen die Leute, vor allem die Frauen und Kinder wenig spanisch, manche nur tzotzil, alle gehören zur Ethnie der Tzotziles. Anfangs war dies für uns etwas schwierig, da wir nur einige Worte auf tzotzil sprechen. Nichtsdestotrotz wurden wir herzlich von den Leuten aufgenommen, sie begegneten uns mit großer Freundlichkeit und Offenheit. Auch von anderen nationalen und internationalen Organisationen kommen immer viele Vertreter vorbei, zum Teil, um Schulunterricht zu organisieren oder jetzt gerade bei der Kaffee-Ernte zu helfen. So gibt es am Dorfplatz auch eine Gemeinschaftsküche für internationale Gäste, in der wir dreimal täglich Reis und Bohnen mit Tortillas zu essen bekamen.</p>
<p style="text-align: justify;">Im Januar 1998 wollte die mexikanische Bundesarmee mitten im Dorf ein Militärcamp bauen. Sie behaupteten, sie wollen mit einer &#8220;sozialen Arbeit&#8221; den Leuten hier direkt im Dorf helfen und Medikamente und Hilfsmittel verteilen. Doch die BewohnerInnen wollten dies auf keinen Fall zulassen und vor allem die Frauen und Kinder haben die Militärs bis an den Rand des Dorfes gedrängt. Am darauffolgenden Tag konnten sie sie unter Anwesenheit eines großen Presseaufgebots nochmal ein Stück weiter weg drängen, an den Ort, wo heute das Militärcamp am Weg in die Gemeinde liegt. Von diesen Auseinandersetzungen gibt es sehr viel Bild- und Videomaterial, ein Pressefoto, auf dem ein Soldat von mehreren Frauen bedrängen wird, wurde extrem bekannt und steht heute symbolisch für den Widerstand der Frauen der Abejas. Im Dorfo gibt es ein &#8220;mural&#8221; (Wandgemälde, typische Art der Darstellung der mexikanischen Geschichte) ebenfalls von dieser Szene.</p>
<p style="text-align: justify;">Bis heute verweigern die Flüchtlinge Hilfen von der mexikanischen Regierung. Sie wollen erst Gerechtigkeit und Frieden in ihren Heimatgemeinden, um dorthin zurückkehren zu können. Es gibt heute eine Koordinationsstelle, die &#8220;mesa directiva&#8221; in Acteal, die aus jeweils zwei Vertretern aus den 42 Abeja-Gemeinden besteht und mit der mexikanischen Bundesregierung und der Staatsregierung von Chiapas in Verhandlungen über die Rückkehr der Flüchtlinge steht.</p>
<p style="text-align: justify;">Mit anderen Gemeinden der Abejas hat das Dorf eine Kaffee-Kooperative gegründet, die sich &#8220;Maya-Vinic&#8221; nennt. Uns wurde erklärt, die Abejas identifizierten sich eher als Nachfahren der Maya, Indigenas würden sie immer nur von anderen genannt. Die Kooperative hat einen großen Speicherraum für Kaffee in Acteal und bezahlt den Mitgliedern zur Zeit 8,- Peso (etwa 1 €) pro Kilo Kaffee. Dies ist immer noch fast doppelt soviel, wie andere private Ankäufer zahlen. Die Abejas akzeptieren diesen Preis als einigermaßen fair. Die Kooperative hat einige internationale Abnehmer für &#8220;fair gehandelten&#8221; Kaffee und existiert nun seit zwei Jahren.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Die Flüchtlinge</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Im September letzten Jahres konnten einige Flüchtlinge aus der Gemeinde wieder in ihr ursprüngliches Gebiet zurrückkehren. Allerdings konnten sie nicht in ihr altes Dorf zurück, da dort immer noch die Paramilitärs aktiv sind. Sie haben statt dessen in einem kleinen Tal unmittelbar vor dem alten Dorf ein Gebiet urbar und bewohnbar gemacht und es &#8220;Neues Dorf&#8221; genannt. Wir hatten an einem Tag die Gelegenheit, das Dorf zu besuchen. Für den 1 ½ stündigen Fussmarsch dorthin haben die Flüchtlinge damals über 6 Stunden gebraucht. Sie haben alles Hab und Gut auf dem vom Regen total aufgeweichten und verschlammten Weg transportiert, sogar die Wellblechdächer und Holzbalken ihrer Häuser. Noch heute stehen in der Gemeinde einige Holzgerippe ehemaliger Häuser, die wohl aber auch noch abgeholt werden. Viele der Flüchtlinge haben die großen Baunägel beim Häuserbau nur zur Hälfte ins Holz geschlagen, um sie bei ihrer erhofften baldigen Rückkehr, leichter wieder herausziehen zu können.</p>
<p style="text-align: justify;">Im &#8220;Neuen Dorf&#8221; haben sich die Leute mittlerweile eingerichtet. An den Hängen wurden Flächen für den Häuserbau und zum Kaffeetrocknen ausgehoben. Dazwischen führen kleine Wege und Treppenstufen im schweren Lehmboden durch das Dorf und die nahen kleinen Felder. Durch das Tal fließt ein kleiner Bach, dessen Wasser trinkbar ist, und der auch als Bad und Waschküche benutzt wird. Es gibt ebenfalls ein Campamento von Fray Bartolome de las Casas im Dorf. Viele der Wohnhäuser sind noch notdürftig mit Plastikplanen abgedeckt. Alle haben eine weiße Friedensfahne gehisst.</p>
<p style="text-align: justify;">Es bleibt zu hoffen, daß auch die anderen Flüchtlinge in naher Zukunft in ihre Heimatgemeinden zurückkehren können. Dies bedarf aber langer Verhandlungen und einer beiderseitigen Einigung über einen gerechten Frieden für Chiapas.</p>
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		<title>Mein erster Einsatz als internationaler Menschenrechtsbeobachter</title>
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		<pubDate>Sat, 20 Jan 2001 14:50:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Carea</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berichte]]></category>
		<category><![CDATA[Berichte aus Chiapas]]></category>

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		<description><![CDATA[Mein erster Einsatz als internationaler Menschenrechtsbeobachter mit der Menschenrechtsorganisation Fray Bartolome de las Casas aus San Cristobal hat mich zusammen mit einem weiteren Deutschen in die Nähe von Ocosingo gefuehrt. Die Gemeinde liegt im Osten des Bundesstaates Chiapas in einem Tal des Tieflandes auf 500 Metern Höhe und am Rande der Selva Lacandona. Das Klima [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><a href="http://troymer.com/carea/?p=453"><img class="alignleft size-full wp-image-515" title="bericht_aus_chiapas" src="http://troymer.com/carea/wp-content/uploads/2008/01/bericht_aus_chiapas.gif" alt="bericht aus chiapas" width="250" height="117" /></a>Mein erster Einsatz als internationaler Menschenrechtsbeobachter mit der Menschenrechtsorganisation Fray Bartolome de las Casas aus San Cristobal hat mich zusammen mit einem weiteren Deutschen in die Nähe von Ocosingo gefuehrt. Die Gemeinde liegt im Osten des Bundesstaates Chiapas in einem Tal des Tieflandes auf 500 Metern Höhe und am Rande der Selva Lacandona. Das Klima dort ist tropisch mit einem trockenen Winter und einer ausgiebigen Regenzeit im Sommer. Der Boden dort ist sehr fruchtbar und es wachsen viele tropische Früchte. Die Menschen, die dort leben sind Indigenas, Nachfahren der Maya, und gehören zur Ethnie der Tzeltales.<span id="more-453"></span></p>
<p style="text-align: justify;">Drei Stunden Fahrt sind es auf einem Pick-Up über eine staubige Schotterpiste bis zur nächsten Stadt Ocosingo. Direkt hinter Ocosingo passiert man eine riesige Kaserne der mexikanischen Armee deren riesige Bundesflagge sicherlich 20 Meter in den Himmel ragt und weithin die Anwesenheit des Heeres signalisiert. Ein weiteres Militaercamp befindet sich versteckt im Busch auf dem Weg in die Gemeinde. Bis vor kurzem gab es dort eine Straßensperre, die die Beobachter in einem mehrstuendigen Fußmarsch weitlauefig umgehen mussten. Der Ort liegt direkt an der Straße, die durch das Tal fuehrt und an einem großen Fluss. Weiter Flussabwaerts liegen noch einige weitere Comunidades und große Militaercamps. Bis 1994 gab es keine Straße und es waren 6 beschwerliche Stunden Fußmarsch durch die Selva bis zur naechsten Straße. Fuer einen Besuch des Marktes in Ocosingo musste man mindestens 2-3 Tage einplanen. Die Straße wurde 1994 von der Armee gebaut und 1995 von der mexikanischen Bundesarmee fuer die große Februaroffensive gegen die EZLN genutzt, in deren Zusammenhang auch die Militaercamps installiert wurden.</p>
<p style="text-align: justify;"><a href="http://troymer.com/carea/wp-content/uploads/2001/01/06_san_isidro_montes_azules.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-546" title="06_san_isidro_montes_azules" src="http://troymer.com/carea/wp-content/uploads/2001/01/06_san_isidro_montes_azules-300x202.jpg" alt="" width="300" height="202" /></a>Im Dorf leben ca. 250 Menschen. Jede Familie hat ihre eigene Huette und ihr eigenes Stueck Land. Die meisten sprechen Spanisch, nur bei den Frauen ist das manchmal ein Problem. Im Fruehjahr letzten Jahres kamen 8 Fluechtlingsfamilien der Ethnie der Tzotziles aus dem Hochland dazu. Sie stammen aus der Bergregion im Norden San Cristobals und wurden von Militaers und Paramilitaers vertrieben. Sie erhalten einmal im Monat Lebensmittel vom internationalen Roten Kreuz. Die Comunidad wird auch einmal im Monat von einem Arzt des IRK besucht und hat einen Promotor de Salud, der aber keinerlei Medikamente zur Verfuegung hat. Die naechste Klinik ist nur mit dem Auto zu erreichen. Im Sommer gibt es grosse Probleme mit Malaria. Im Dorf sowie im ganzen Tal gibt es weder Strom noch fliessend Wasser. Zum Wasserholen, Waschen und Baden dienen ein Bach und der Fluss. Hauptsaechlich angebaut werden Bananen, Mais, Kartoffeln und Bohnen.</p>
<p style="text-align: justify;">Im Zusammenhang mit dem ersten Auftauchen der EZLN im Januar 1994 und dem Beginn des Aufstandes haben die Bewohner das Land friedlich besetzt und den ansaessigen Grossgrundbesitzer vertrieben. Der betrieb dort eine Rinderzucht mit ueber 2000 Tieren. Zwei Kilometer vom heutigen Dorf entfernt steht die alte heute verfallene Finca, ein kolonialer Prachtbau mit riesigem Garten und ein krasser Gegensatz zu den Holzhuetten der Dorfbewohner. Vor 1994 haben die meisten der Dorfbewohner auf der Finca des Grossgrundbesitzers als Tageloehner gearbeitet. Die Arbeitsbedingungen waren mehr als schlecht. Fuer 9 Stunden Arbeit 6 Tage die Woche wurden 2 € Tageslohn bezahlt. Das Land auf dem die Leute gewohnt haben mussten sie vom Finquero pachten und in Naturalien bezahlen. Gab es eine schlechte Ernte so ist kaum was fuer die Familie uebriggeblieben. Zeit, um das eigene Stueck Land zu bearbeiten, war nur nachmittags nach einem anstrengenden Arbeitstag oder am Sonntag, dem einzigen freien Tag. Die einzige Moeglichkeit einzukaufen gab es im Laden der Finca zu ueberhoehten Preisen. Feste wurden vom Finquero ausgerichtet aber den Arbeitern spaeter vom Lohn abgezogen. So ist ein Grossteil dessen, was der Finquero als Lohn bezahlt hat, direkt wieder in seine Tasche geflossen. Eine Moeglichkeit diesem Kreislauf zu entkommen gab es so gut wie nicht, da diese Situation in anderen Gegenden Chiapas dieselbe war und es fast unmoeglich war, ein eigenes Stueck Land zu bekommen. Durch die kollektive Landbesetzung haben die Dorfbewohner ihre Situation entscheidend verbessert. Sie sind nicht mehr abhaengig vom Willen eines Grossgrundbesitzers und besitzen alle ihr eigenes Stueck Land.</p>
<p style="text-align: justify;"><a href="http://troymer.com/carea/wp-content/uploads/2001/01/06_juliol03-Ibarra5.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-547" title="06_juliol03-Ibarra5" src="http://troymer.com/carea/wp-content/uploads/2001/01/06_juliol03-Ibarra5-300x210.jpg" alt="" width="300" height="210" /></a>Das Dorf ist Unterstuetzungsbasis der Zapatisten und eine autonome, das heisst regierungsunabhaengige, Gemeinde. Die Bewohner organisieren und verwalten das Dorf in Eigenverantwortung und fuehlen sich dem mexikanischen Staat gegenueber zu nichts verpflichtet. Dies ist die einzige Moeglichkeit ihre eigenen Ideen zu verwirklichen und ihre Kultur zu bewahren. Hilfe von der Regierung lehnen sie kategorisch ab. Dies haengt damit zusammen, dass solch eine Hilfe immer mit bestimmten Bedingungen und Auflagen verknuepft ist. Die Comunidad gehoert mit ca. 40(!) anderen zum Municipio Autónomo San Manuel (aehnlich unserer Verbandsgemeinden). Die Comunidades sind untereinander alle durch Funk verbunden und unterstuetzen sich gegenseitig. Jede Comunidad waehlt einen Delegierten fuer den Rat des Municipio Autonomo. Die Organisation des Dorfes ist basisdemokratisch und auf den allabendlichen Versammlungen wird ueber alles wichtige diskutiert und ueber die Belange des Dorfes entschieden. Sonntags nach der Messe gibt es eine Art Vollversammlung. Die Leute sind in der Mehrheit katholisch und erstaunlich religioes. Leider ist die Beteiligung der Frauen noch sehr gering. Ein gewaehlter Responsable vertritt die Comunidad nach aussen. Die Comunidad hat einen Gemeinschaftsladen und Land, dessen Gewinne der Gemeinschaft zugute kommen. Ist die eigene Ernte schlecht so wird die Ernte der gemeinschaftlich bewirtschafteten Felder gleichmaessig auf alle aufgeteilt. Nachts gibt es Wachtposten an beiden Eingaengen des Dorfes <a href="http://troymer.com/carea/wp-content/uploads/2001/01/09_14julio2000_larealidad.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-548" title="09_14julio2000_larealidad" src="http://troymer.com/carea/wp-content/uploads/2001/01/09_14julio2000_larealidad-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>um sich vor moeglichen Uebergriffen der Armee oder der Paramilitaers zu schuetzen. Der mexikanische Staat erkennt die autonomen Gemeinden nicht an und bezeichnet sie als Versuch, sich vom Staat abzuspalten. Fuer die Leute der Ethnie der Tzeltales geht es darum, ihre Identitaet zu wahren, die ihnen immer noch von der mexikanischen Verfassung verweigert wird. Die Autonomie schliesst auch die Selbstorganisation der Schule mit ein. Zwei Maenner des Dorfes sind Promotores de Educación und unterrichten in 2 Gruppen die 40 Kinder zwischen 7 und 10 Jahren. Sie werden dafuer von der Gemeinschaft unterstuetzt. Der Unterricht findet im Gegensatz zu den staatlichen Schulen zweisprachig in Spanisch und Tzeltal, sowie in Tzotzil statt. Ausser ein paar Tischen und Baenken und einer Tafel gibt es in der Schule keine Buecher und kein Material. Die Kinder sind fuer die Materialien auf die Hilfe von aussen angewiesen. Gerade ist ein Schulprojekt einer spanischen Organisation zu Ende gegangen. Es wurden in einem Jahr Leute aus den zapatistischen Gemeinden der Gegend zu Promotores de Educacion ausgebildet und autonome Schulen aufgebaut. Bei unserer Ankunft als Beobachter im Dorf mussten wir uns ausweisen und ein Empfehlungsschreiben der Organisation in San Cristobal vorzeigen. Wir waren per Funk angekuendigt worden. Untergebracht waren wir auf dem Grundstueck einer Familie in einer kleinen Huette. Dadurch, dass wir auch deren Kueche mitbenutzt haben, hatten wir sehr viele Kontakte zu ihnen und haben viel ueber ihr taegliches Leben erfahren. Unsere Aufgabe war vor allem die Militaerkonvois und Patrouillen, die fast taeglich durchs Dorf gefahren sind, zu protokollieren. Anfaenglich haben wir uns immer offen gezeigt. An die Grenzen dessen, was wir uns als Auslaender erlauben duerfen, sind wir gestossen, als wir versucht haben, einen Konvoi zu fotografieren. Wir wurden aufgefordert, dies zu unterlassen, aber die Dorfbewohner haben die Militaers zum weiterfahren aufgefordert, da sie diesen nicht das Recht geben im Dorf anzuhalten. Daraufhin haben wir uns lieber vor der Armee versteckt. Wichtig fuer die Bewohner ist auch das psychologische Schutzgefuehl durch unsere Anwesenheit. Waehrend der 2 Wochen haben wir keinerlei Aktivitaeten von Paramilitaers und anderen staatlichen Kraeften beobachtet. Das Leben mit der Gemeinde verlief sehr harmonisch. Wir hatten viel Zeit, uns mit den Kindern zu beschaeftigen, die dies dankbar angenommen haben.</p>
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