Internationale Begleitung in Guatemala
Als Mitglied des internationalen Netzwerk ACOGUATE übernimmt CAREA e.V. in Deutschland die Vorbereitung von Freiwilligen für die Arbeit im internationalen Begleitprojekt in Guatemala.
ACOGUATE begleitet in Zusammenarbeit mit dem guatemaltekischen Menschenrechtszentrum CALDH seit dem Jahr 2000 ZeugInnen in den Prozessen gegen die ehemaligen Diktatoren Rios Montt und Lucas Garcia. Seit 2007 werden von ACOGUATE außerdem Menschen begleitet, die sich für Landnutzungsrechte und gegen die Ausbeutung natürlicher Ressourcen einsetzen und deswegen starken Bedrohungen ausgesetzt sind.
Internationales Begleitprojekt in guatemaltekischen Gemeinden
In Guatemala werden durch den internationalen Zusammenschluss ACOGUATE bedrohte VerteidigerInnen von Menschenrechten begleitet. Freiwillige aus europäischen Ländern und aus Nordamerika unterstützen durch diese internationale Begleitarbeit die Aufarbeitung der durch den Bürgerkrieg geprägten Vergangenheit und unterstreichen die Notwendigkeit der Umsetzung der 1996 beschlossenen Friedensverträge sowie die Einhaltung rechtsstaatlicher Normen in Guatemala.
Historische Hintergründe und heutige Bereiche der Begleitarbeit
In ihrem Abschlussbericht bewertet die UNO-Wahrheitskommission die Geschehnisse der konfliktreichsten und blutigsten Periode (1981-83) des 36 Jahre andauernden Bürgerkriegs in Guatemala als Genozid an der indigenen Bevölkerung, als Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Die in dieser Zeit begangenen Verbrechen fallen damit nicht unter die Amnestiegesetze, die aus den Friedensabkommen 1996 resultierten. Eine strafrechtliche Verfolgung der Verantwortlichen dieser Verbrechen ist nach guatemaltekischem Gesetz also möglich.
Auf dieser Basis bereitet das guatemaltekische Menschenrechtszentrum CALDH (Centro de Acción Legal en Derechos Humanos) seit 1997 Klagen gegen die ehemaligen Präsidenten Romeo Lucas García (1978–1982) und Efraín Ríos Montt (1982–1983) sowie gegen Mitglieder dieser Regierungen, vor.
In den Jahren 2000 und 2001 reichte CALDH gemeinsam mit dem Zusammenschluss der Überlebenden und Opfer AJR Anklagen wegen Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit ein. Dabei war die Bereitschaft der Opfer, öffentlich Zeugnis über das Erlebte abzulegen, zentral.
Ziele der angestrengten Gerichtsverfahren sind:
- Gerechtigkeit für die Überlebenden und ihre Familien
- Unterstützung zur Festigung eines Rechtsstaates
- Eine Versöhnung und Aufarbeitung der Vergangenheit, was durch Straffreiheit und Leugnung historischer Tatsachen bisher kaum möglich war
Da die ZeugInnen im Verlauf eines Prozesses nicht anonym bleiben, ist eine große Sorge die physische Sicherheit der Beteiligten. Auf Anfrage der ZeugInnen und CALDH gründete sich im Jahr 2000 das internationale Begleitprojekt ACOGUATE. Durch die Anwesenheit internationaler BegleiterInnen sollen Risiken für ZeugInnen und andere Gemeindemitglieder so weit wie möglich minimiert werden. Seit Anfang Mai 2000 befinden sich ständig freiwillige BegleiterInnen aus Europa und Nordamerika im Einsatz.
Seit 2007 werden im Rahmen des Begleitprojekts ACOGUATE zunehmend auch bedrohte guatemaltekische MenschrechtsverteidigerInnen begleitet. In vielen Regionen des Landes werden natürliche Ressourcen unter Verletzung der Menschenrechte der dort lebenden meist indigenen Bevölkerung abgebaut. Menschen, die sich (unter Berufung auf bestehende rechtliche Grundlagen wie die Konvention 169 der ILO) gegen gewaltsame Vertreibungen, Verletzungen von Menschenrechten, Bedrohung der Bevölkerung zur Wehr setzen, sind oftmals Ziel von Repression. Durch eine internationale Begleitung soll die Einhaltung bestehenden Rechts beobachtet und gestärkt werden.
Internationale Koordination – ACOGUATE
ACOGUATE ist der Zusammenschluss von elf Organisationen aus zehn Ländern und wird durch die Koordination in Guatemala-Stadt repräsentiert. Gleichzeitig ist das Team in Guatemala Stadt die Schnittstelle zu den Mitgliedsorganisationen, Partner der ZeugInnen sowie der BegleiterInnen vor Ort. Letztere werden in Guatemala von ACOGUATE auf ihre Arbeit vorbereitet und betreut. Außerdem wertet ACOGUATE relevante Informationen für die internationale Ebene aus und leitet diese weiter.
Eine Mitarbeit im internationalen Begleitprojekt ACOGUATE ist nur für Freiwillige möglich, die von einer der Mitgliedsorganisationen auf ihren Aufenthalt vorbereitet wurden und ein Empfehlungsschreiben vorweisen können.
Vorbereitungsseminare:
In Deutschland findet die Vorbereitung auf die Arbeit im internationalen Begleitprojekt durch CAREA e.V. auf einem dreitägigen Seminar statt. Es können daran auch Interessierte teilnehmen, die sich noch nicht sicher sind, ob sie als BegleiterIn nach Guatemala fahren wollen.
Auf den Seminaren wird in Vorträgen, Arbeitsgruppen und Rollenspielen die Geschichte und aktuelle politische Situation Guatemalas, der Stand der Umsetzung der Friedensverträge sowie Aufgaben, Rechte und Pflichten der BegleiterInnen vermittelt. Es wird das Begleitprojekt vorgestellt und Verhaltensformen in indigenen Gemeinden und in Konfliktsituationen eingeübt. Weiterhin werden Informationen zur Nachbereitung des Aufenthalts und zur Öffentlichkeitsarbeit gegeben. Nach dem Seminar stellt CAREA e.V. denjenigen die als BegleiterIn nach Guatemala gehen, das benötigte Empfehlungsschreiben aus.
In Guatemala werden die Freiwilligen auf einem weiteren Seminar von zehn Tagen fortgebildet. Die Projektkoordination in Guatemala behält sich vor, die Freiwilligen nochmals auszuwählen. Der Einsatz im internationalen Begleitprojekt erfolgt auf eigene Verantwortung.
Auf Anfrage bekommen Interessierte zur Seminar-Vorbereitung einen ausführlichen Reader (gegen 10 € inkl. Versandkosten) über unser Büro zugeschickt. Weitere Informationen zu den Vorbereitungsseminaren.
Aufgaben der BegleiterInnen:
- Den bedrohten MenschenrechtsverteidigerInnen durch Anwesenheit Hilfe und das Gefühl der Sicherheit anbieten
- Neutrale unparteiische Beobachtung und Dokumentation
- Begleitung der bedrohten MenschenrechtsverteidigerInnen zu Treffen bzw. Gerichtsverfahren
- Weiterleiten von Informationen auf nationaler und internationaler Ebene
- alle sechs Wochen monatliche Treffen mit CALDH und ACOGUATE
- nach der Rückkehr Öffentlichkeitsarbeit in Deutschland
Selbstverständnis:
- Achtung der selbstgewählten Strukturen in den Gemeinden
- Nichteinmischung in interne Angelegenheiten
- Gewaltfreiheit in allen Handlungen
- keine Einmischung in Konfliktsituationen
- Achtung der nationalen Gesetzgebung
Voraussetzungen:
- fließende Spanischkenntnisse
- Mindestalter 23 Jahre
- Vorerfahrung in Guatemala oder Lateinamerika
- Mindestaufenthalt drei Monate, ein längerer Aufenthalt wird empfohlen
- physische und psychische Belastbarkeit
- Teamfähigkeit und soziale Kompetenz
- Teilnahme am Vorbereitungsseminar
- Eigenfinanzierung
- Krankenversicherung und Impfschutz
Für aktuelle Informationen aus dem Umkreis des Begleitprojekts in Guatemala hat CAREA e.V. eine Mailingliste eingerichtet. Wer diese Informationen erhalten möchte (etwa eine Mail pro Woche), kann sich gerne an unser Büro wenden.
