Urgent Action: Angriff priistischer Gruppe des Ejidos Banavil auf Familien von EZLN-Sympathisant_innen und willkürliche Verhaftung von Mitgliedern der zapatistischen Unterstützungsbasen

Feb 2012

Gemäß der Beweisinformation, die dem Menschenrechtszentrum Fray Bartolome vorliegt, griffen am 4. Dezember 2011 in Banavil, Tenejapa Mitglieder der Institutionellen Revolutionären Partei (PRI) vier Familien von Sympathisant_innen des Zapatistischen Heers der Nationalen Befreiung (EZLN) mit Schusswaffen an.

Urgen Action Jetzt unterzeichnen Als Resultat der Angriffe sind zu nennen: der Tod des Herrn Pedro Méndez López; das erzwungene Verschwindenlassen des Herrn Alonso López Luna (im Folgenden Alonso); die Vertreibung von vier Familien, beschuldigt, zapatistische Sympathisant_innen zu sein; die Verhaftung des Herrn Lorenzo López Girón (im Folgenden Lorenzo), welcher durch eine Schusswaffe verwundet wurde; die willkürliche Verhaftung des Herrn Francisco Santiz López (im Folgenden Francisco), Mitglied der Zapatistischen Unterstützungsbasis (BAEZLN), welcher sich zum Zeitpunkt des Geschehens an einem anderen Ort befand sowie Körperverletzungen von 6 weiteren Personen.

  • Tod und erzwungenes Verschwindenlassen von Indigenen der Gruppe Tseltal
  • Vertreibung von vier Familien des Eijidos Banavil, Tenejapa, Chiapas

Wie oben erwähnt wurde gemäß Zeugenaussagen berichtet, dass am 4. Dezember etwa gegen 7 Uhr  Frau Antonia Girón Gómez, Frau Lucia López Ramírez  und Frau Antonia López Pérez in Alsonsos Haus kamen und auf diesen und seine Familie mit Stöcken und Steinen einschlugen. Daraufhin umstellten etwa 50 Männer, Mitglieder der PRI, das Haus, holten Alonso heraus und schlugen ihn weiter mit Stöcken und Schusswaffen. Bei dem Versuch seinen Vater zu verteidigen, wurde Lorenzo – heute verschwunden – durch einen ersten Schuss auf der rechten Seite der Brust und anschließend durch einen weiteren auf Höhe der Leiste verletzt.
Er wurde ins Krankenhaus nach San Cristóbal de las Casa gebracht und dort von der bundesstaatlichen Polizei – der schweren Körperverletzung beschuldigt – verhaftet. Zeugen bestätigen, dass Alonso während des bewaffneten Angriffs von der Gruppe der PRI-Männer blutend weggebracht wurde. Bis zum heutigen Datum ist sein Verbleib unbekannt.
Information von Zeugenaussage zufolge, wurde am 23. Dezember im Ejido Mercedes, welches an Banavil angrenzt, ein Arm gefunden. Die Familie Alsonsos konnte sicherstellen, dass dieser Arm zu Alsonso gehöre, da sie eine Narbe an einem der Finger identifizieren konnten.
Am 26. und 28. Dezember sollen Polizisten der bundesstaatlichen Polizei im Auftrag des Justizministerium und des kommunalen Richters versucht haben, Alonsos Körper zu suchen, ohne ihn jedoch zu finden.
Die Familie Alsonsos brachte vor, dass keine adäquate Suchaktion durchgeführt wurde.

Zum anderen, gemäß der durchgeführten Dokumentation dieses Menschenrechtszentrums, wurde Francisco, Mitglied der zapatistischen Unterstützungsbasis, während er in seinem Obst- und Gemüseladen arbeitete, willkürlich verhaftet und mit dem Vorwurf beschuldigt, den Angriff begonnen zu haben. Er befindet sich in den Gemeindebehörden von Tenejapa.
Zeugen aber bestätigen, dass er sich am Tag des Angriffs nicht am Ort des Geschehens befunden habe, weswegen in diesem Fall vor dem ersten Strafgericht ein Strafprozessverfahren unter dem Aktenzeichen Nr. 177/201 eröffnet wurde, in welchem der Richter seinen Beschluss am 21. Januar 2012 verkünden wird.

In Verbindung damit ist zu nennen, dass die falschen Beschuldigungen und das hervorgerufene Klima der Gewalt durch die priistische Kazikengruppe der Ejidos Banavil, Mercedes und Santa Rosa, der Gemeinde Tenejapa, gegenwärtig die Vertreibung der vier sympathisierenden Familien der EZLN sowie den Tod des Herrn Perdro Méndez López, Mitglied der PRI, verursacht hat.
Aufgrund dieser Ereignisse und in Übereinstimmung mit der durchgeführten Dokumentation, blickt dieses Menschenrechtszentrums mit großer Sorge auf die kontinuierlichen und systematischen Angriffe auf zapatistische Unterstützungsbasen sowie deren Sympathisant_innen, welche schwerwiegende Verletzung der Rechte zufolge haben: unter anderem die Verletzung des Rechts auf Leben, auf persönliche Integrität und Sicherheit, auf Freiheit, auf Bewegungsfreiheit, auf Wohnen sowie das Recht, nicht vertrieben zu werden. Diese Rechte gelten in Übereinstimmung mit den internationalen Rechtsinstrumenten, die der Mexikanische Staat unterzeichnet und ratifiziert hat.

Aus diesem Grund fordert die chiapanekische Regierung dazu auf:

  • Hern Alonso López Luna zu suchen und ihn lebend zurückzubringen
  • Den Tod des Herrn Pedro Méndez López aufzuklären sowie Sanktion der eigentlichen Mörder einzuleiten
  • Herrn Francisco Santiz López freizulassen, da zuverlässige Information vorliegen, die beweisen, dass er sich nicht am Ort des Geschehens befunden hat
  • Herrn Lorenzo López Girón eine angemessene und adequate medizinische Behandlung zu ermöglichen
  • Den vier vertriebenen Familien vorbeugende Schutzmaßnahmen zu gewährleisten sowie auf ihre sichere Rückkehr in die Gemeinde Banavil zu bestehen
  • Eine unparteiische, sofortige, seriöse und vollständige Untersuchung der geschehenen Tatbestände des 4. Dezember 2011einzuleiten
  • Die priistische Kazikengruppe, welche die EZLN-Sympathisant_innen angriffen, zu bestrafen und zu entwaffnen

Vorhergehende Ereignisse im Kontext:

Seit 2009 kam es wiederholt zu Einschüchterungen und Belästigungen seitens der priistischen Kazikengruppe gegenüber Familien von EZLN-Sympathisant_Innen, da sich letztere den willkürlich verübten Aktionen der priistischen Gruppe widersetzten. Zu diesen Aktionen zählen unter anderem: willkürliche Landbesitzenteignung, illegales Holzfällen, willkürliche Eintreibung von Steuern, Hausfriedensbrüche,  Körperverletzungen, Verweigerung des Rechts auf Bildung. Diese Vergehen wurden von den Betroffenen bei den entsprechenden Regierungsinstanzen angezeigt, welche diesen jedoch keinerlei Beachtung schenkten. Bis heute wurden weder wirksame Untersuchungen eingeleitet noch Verantwortliche bestraft und die Behörden greifen ebenfalls nicht ein, um die Situation zu lösen sowie die rechtliche und soziale Sicherheit des Ejidos Banavil zu gewährleisten.

 

Schicke deinen Appell oder unterzeichne die Eilaktion online:

Über den weißen Button am Seitenanfang zu könnt ihr die Urgent Action bei Chiapas.eu unkompliziert online unterzeichnen. Außerdem gibt es eine Urgent Action beim mexikanische Menschenrechtsnetzwerk Red Nacional de Organismos Civiles de Derechos Humanos “Todos los Derechos para Todas y Todos”: http://www.redtdt.org.mx/d_acciones/d_visual.php?id_accion=176

Darüber könnt ihr euch einen Beispielbrief runterladen.

Quelle: Centro de Derechos Humanos Fray Bartolomé de Las Casas, San Cristóbal (Chiapas/Mexico) / Chiapas.eu / Übersetzung: Chrissi

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